Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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31 Annahme eines durch die ganze Natur sich hindurchziehenden Gegensatzes den Stoikern selbst diente, lässt sich ebensowenig aus der gelegentlichen Anführung bei Plutarch wie aus der abrupten Mitteilung der Ansicht Nazzams bei Kahir Al-Bagdadi ersehen. Vielleicht aber lässt sich diese Ansicht der Stoiker mit einer anderen kombinieren. Einer ihrer Gründe zur Rechtfertigung des Uebels in der Welt lautete, dass das Gute nur durch seinen Gegensatz erkannt werde, das Schlechte also als Folie für das Gute notwendig sei1). Zur Unterstützung dieser Ansicht diente ihnen vielleicht der Nachweis, dass das Gesetz des Gegensatzes sich durch die ganze Natur offenbare. Von diesem Standpunkte begreifen wir wohl, wie Nazzam gerade die Ansicht der Dualisten bekämpfen musste; die Gegensätze sind nach ihm kein Beweis für ein doppeltes Prinzip, sondern eher für das Gegenteil, für die Einheit der Welt, sie weisen auf einander hin und werden durch einander erkannt. Ebenso nun, wie die Vermutung Kahirs, die Behauptung Nazzams von der Einteilung der Körper sei den Dualisten entlehnt, falsch ist, so gilt das Gleiche inbezug auf die Ansicht, dass Gott das Böse nicht tun könne. Wir können in dieser lediglich einen Ausdruck für den Determinismus Nazzams erblicken, seine Ueberein- Stimmung mit den Stoikern, welche ein und dasselbe Wesen, nur in verschiedenen Beziehungen gedacht, bald als Gottheit, bald als allumfassendes Naturgesetz und unabänderliches Schicksal bezeichnen2). Darum behauptete auch Nazzam, dass ein Willen im eigentlichen Sinne Gott nicht beigelegt werden könne, sondern wo von einem solchen inbezug auf seine Handlungen in der Offenbarung gesprochen werde, lediglich das Wissen Gottes um seine Handlungen gemeint sei3). Wenn also Nazzam behauptet, dass Gott das Böse nicht bloss nicht tue, sondern auch nicht tun könne, so heisst das nichts anderes, als dass sein Wirken nicht anders beschaffen sein könne, als es in Wirklichkeit ist. Ebenso ist es J) Vgl. Zeller a. a. O., S. 176 A. 3, besonders den Schluss in der aus Gellius, Noctes Alt. zitierten Stelle: nullum adeo contrarium est sine contrario altero. Wenn auch an den von Zeller angeführten Stellen hauptsächlich vom moralischen Uebel die Rede ist, so gilt doch der Gedanke auch im allgemeinen. Vgl. auch Zeller das. S. 174 A. 1. 2) Vgl. Zeller a. a. 0., S. 157 ff. 3) Sahr. S. 38: qI *01^51 ^3 0L*JL5 ^j-b 1~13 1013 גין L^äJU>