Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2721021--027-2725432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 consensus gentium besonderes Gewicht legten, ist früher bereits bemerkt worden1). In gleicher Weise führen andere Behauptungen Nazzams Gott betreffend zu den Stoikern hin. Dahin gehört seine Ansicht, dass Gott das Böse nicht tun könne2), ferner die Behauptung, dass Gott nur das tun könne, wovon er weiss, dass es den Menschen zum Wohle gereiche, nicht aber das, wovon er das Gegenteil weiss3). Die letzte Behauptung vergleicht Sahrastani mit der Ansicht der Philosophen, dass Gott die Welt nicht vollkommener an Schönheit, Ordnung und Angemessenheit hätte schaffen können, als sie wirklich ist, weil es in der Natur des Gütigen gelegen sei, kein Gut seinen Geschöpfen vorzuenthalten. Beide Aeusserungen Nazzams gehören zusammen, sie betonen die Vollkommenheit der Welt und deuten an, dass Gott nicht Ursache des Bösen, des Uebels sein könne, geben aber nicht an, wie die wirklichen oder scheinbaren Uebel in der Welt zu erklären seien. Ebenso lässt es die zweite Behauptung Nazzams unbestimmt, ob die Welt an sich so vollkommen sei als möglich, oder ob es bloss nicht in der Macht Gottes gelegen habe, eine vollkommenere Welt zu schaffen. Wenn aber auch der Gedanke Nazzams nicht weiter ausgeführt wird, so erinnert er doch im allgemeinen an die Ansicht der Stoiker von der Vollkommenheit der Welt und ihre Be- Strebungen, die Existenz der moralischen und physischen Uebel in der Welt auf die eine oder die andere Weise als notwendig zu begründen4). Natürlich als einen Beweis für die Abhängigkeit Nazzams von stoischen Einflüssen kann man zunächst die Aeusserungen Nazzams nicht betrachten. Sie haben, wenn man sie vorläufig ganz allgemein nimmt, überhaupt nichts so Eigentümliches, dass man an eine Entlehnung oder Beeinflussung von irgend welcher Seite denken müsste, und überdies sind ähnliche Gedanken wie von den Stoikern auch von anderen wohl geäussert worden5). ג) Sahr. S. 40: &if ^.צ »Jyz [«].Xkx. K-oliil j$äXJb ^1*2. 2) Sahr. S. 38: Jl c5JLt צ jJUI 0! *Jjä vgl. Ibn IJazm IV, Seite 193. 3J Sahr. das. 4) Vgl. Zeller a. a. O., S. 173 ff. 5) In einem Aufsatze über die Kontinuität der griechischen Philosoph! j in der Gedankenwelt der Araber, Archiv f. Gesch. der Philosophie, Bd. XI, S. 311 ff.,