Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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21 Atomistik stempelt zwar N. noch nicht zum Stoiker, aber es kann hervorgehoben werden, dass auch die Stoiker sich die Bekämpfung der Atomistik besonders angelegen sein Hessen1). Hierher gehört auch die Behauptung N.’s von der Verschiedenheit der Körper im Gegensätze zur Behauptung von deren Gleichheit2). Es handelt sich hierbei um die Annahme mehrerer qualitativ verschiedener Urstoffe im Gegensätze zur Annahme einer unbestimmten Anzahl von qualitativ gleichen Atomen. Was die Behauptung vom Sprunge betrifft, so vermochten wir eine Spur derselben im Stoizismus nicht aufzufinden. Es mag sein, dass sie von N. selber herrührt, eine Entlehnung aus irgend einer stoischen Quelle ist aber immerhin wohl möglich, wenigstens erfahren wir aus einer Stelle bei Plutarch, dass die Stoiker, um die Möglichkeit der Bewegung trotz ihrer Annahme von der unendlichen Teilbarkeit des Körpers zu erklären, vor den paradoxesten Behauptungen nicht zurückschraken3). Wie inbezug auf die Erhaltung, so stellte N. auch inbezug auf die Schöpfung der Welt eine eigentümliche Lehre auf, die bei den Arabern unter dem Namen Kumün (das Verborgensein) bekannt ist. Dieser Lehre gemäss behauptete N., dass Gott die existierenden Dinge in der Weise wie sie jetzt sind, Metalle, Pflanzen, Tiere und Menschen mit Einem Male geschaffen habe. Ebenso sei die Schöpfung Adams der Schöpfung seiner Nachkommen nicht vorangegangen, vielmehr beziehe sich die zeitliche Aufeinanderfolge, das Früher- und Spätersein, lediglich auf das Hervortreten aus der Verborgenheit, nicht auf das Entstehen und die Existenz selber. ג) Vgl. Plutarch a. a. 0. XXXVIII, S. 1320 und XLIII, S. 1324. 2) Muhassal S. 92: [1. Lr^'iLi Vgl. Masail S. 2. Die Lehre von der Gleichheit aller Körper oder Substanzen ist äusserst verworren dargestellt, sowohl von Al-Razi wie von Abu Rasid. Wie wird aus der angeblichen Tatsache, dass die Dinge mit einander verwechselt werden, gefolgert, dass die Atome ähnlich sind? Also wegen der Aehnlichkeit der Atome werden die Dinge verwechselt! Noch sonderbarer ist es, wenn Al-Razi gegen den Beweis einwendet, dass derselbe erst dann richtig wäre, wenn erfahrungsgemäss nachgewiesen werden könnte, dass jedes Ding der Welt mit jedem anderen verwechselt werden kann, was natürlich nicht möglich sei. Wie kommt man denn aber überhaupt auf den Gedanken, dass jedes Ding mit dem anderen verwechselt werden könne? Es sind hier mehrere Behauptungen durcheinander geworfen. Erstens, dass die Atome an sich einander gleich, zweitens dass die sogenannten sekundären Qualitäten, Farbe, Geruch usw., nur subjektiv sind. Auf das letztere bezieht sich der Beweis von der Verwechslung, der ursprünglich bedeutete, dass die Dinge uns je nach unserer Disposition verschieden erscheinen. 3) Vgl. Plutarch an der zuletzt genannten Stelle.