Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2720904-2721003--45-2725334
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14Ö her die verstuckte jüdische Nation, Feinde Gottes und der Christenheit, gesessen, dem Bürgermeister, Rathmannen, Geschworenen und der ganzen Gemeine, der Stadt zu Ehren und zu Nutzen nun und zu ewigen Gezeiten“1). Bei alledem liess der Herzog trotz des feierliehen Entschlusses, ״als ein Landesfürst die Juden nimmermehr zu dulden“, einige, und zwar gewiss besonders leistungsfähige, Steuerzahler ruhig in Glogau wohnen. Denn wir erfahren, dass bei der Belagerung der Stadt am 8. October 1488 zehn Juden im Pärchen in einer Bude erstickten und sieben andere eines natürlichen Todes starben2). Nur langsam heilten die Wunden, welche die fortwährenden Kriegszüge dem verheerten Lande schlugen. Noth und Elend waren allgemein, und es ist kein Wunder, wenn unsere Quellen für diesen Zeitraum, abgesehen von einer dürftigen Notiz aus Freistadt, von den Juden nichts mehr zu melden wissen3). Aehnlich wie in Glogau lagen für kurze Zeit die Verhältnisse in Glatz. Neben den Juden, die unter dem Schutz des Rathes standen und Jahrzehnte lang ungestört ihre Geschäfte trieben, erscheinen 1490 neue Ansiedler, die der Herzog aufnahm und thatkräftig zu schirmen versprach. Klug, milde und duldsam, wie cein Vater Podiebrad, stattete sie Herzog Heinrich (XIII, 5)4) mit allen Rechten aus, die sie" in Prag und Böhmen ausüben durften5). Diese Begnadung scheint Unmuth und Missstimmung erregt und die öffentliehe Meinung zu Ungunsten der Judenheit beeinflusst zu haben. Während in Glogau die Vereinigung zweier Judenschaften unter Einem Scepter den Bestand beider zu vernichten drohte, wurde hier gerade die Entstehung der zweiten Gemeinschaft lür die alten und die neuen Ansiedler in gleicher Weise verhängnisvoll. Unkontrollirbare Gerüchte über unmässigen Wucher oder versuchte Schändung *) Minsberg I, S. 454. Urkunde LXXII nach Lib. nig., p. 109. Orig, mit Siegel ohne Unterschrift im Ratsarchiv eist. IV, 2. Abth., Nr. 172. Schickfuss IV, S. 199. Berndt, S. 11 f. Die Nachricht bei Bergemann, Löwenberg, S. 603, dass Hans II. die Juden 1480 aus Glogau ausgetrieben habe, beruht auf einem Irrthum, der sich bereits bei Lucae, S. 2196, und Pol II, S. 133, findet. 2) Ss. rer. Silcs. IV, p 15. Minsberg I, S. 322. Berndt a. a. O. 3) In Freistadt liess am 30. Juni 1504 die Wittwe Christine auf ihr Haus in der Judengasse eine Summe Geldes eintragen, für deren Zinsertrag der Pfarrer die Pflicht übernahm, für das Seelenheil der Stifterin und ihrer Familie zu beten. Urk. im Arch. der kath. Pfarrkirche zu Freistadt, Nr. 138. 4j Die Grafschaft Glatz gehörte ihm seit 1472. Vgl. Grünhagen I, S. 329, vgl. S. 349 u. 362. 5) Oben S. 142, Anm. 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.