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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 45

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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IRI
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147 jäh gestört, als nach dem Aussterben der Glogauer Piasten Herzog Johannes II. von Sag an (II, 35), unter dem Namen Hans der Grausame bekannt, sich 1480 gewaltsam in den Besitz der ganzen Stadt setzte. Die Juden des Teschenschen Antheils, die in der schweren Zeit der Heimsuchung ihrer Herzogin (VIII, 2) treu ergeben geblieben waren, hatten bald den Zorn des neuen Herrschers zu empfinden. Was konnten sie auch von einem Fürsten Gutes hoffen, der rücksichtslos die Domherrn zwang, seine Söldner zu verpflegen, der den Franziskanern ihr Kloster nahm, der die Dominikaner aus der Stadt jagte und sieben Rathsherren, die ihm nicht zu Willen waren, elend im Thurme verhungern liess1)? Schon im März bei der Belagerung wurde das Juden viertel eingeäschert2). Vermuthlich fanden die Juden zeitweise in Christenhäusern Aufnahme. Als dann im Mai der Herzog das Stadtschloss bezog, soll er selbst unversehens eine kostbare Glasscheibe in einem Fenster mit dem eingebrannten Bilde des Gekreuzigten zerbrochen haben. Im Zorn darüber, erzählt man, habe er die Rathsherren vorgeladen und sie heftig angefahren: ״Man hat mir meinen schönen Herrgott zerschlagen. Da ihr wohlweise Männer seit, so habt ihr mir sofort bei schwerer Ungnade den Frevler zu ermitteln.“ Da habe der Stadtschreiber den Rath gegeben, die Juden, da sie doch Feinde und Lästerer des Kreuzes wären, der Uebelthat zu bezichtigen. ״Ja, die sinds gewesen,“ soll der Herzog ausgerufen und ihnen eine unerschwingliche Geldbusse auferlegt haben3).״ Einige Monate später, am 28. September 1480, überwies er dann dem Rath der Stadt auf dem Judenplatz den Raum zu einer Rossmühle, die der Stadt erb- und eigentümlich gehören sollte4), und irn Jahre 1484 vertrieb er die Juden gänzlich aus der Stadt. Am 6. Mai verkaufte er für 600 gute ungarische Gulden zur ״Ehre des allmächtigen Gottes und zur Steuerung des Verderbnisses der Lande und der armen Leut die Stelle, wo bisbezogen sich auf die Juden des Teschen’schen Antheils. Ausser den üblichen Zusicherungen erhielten sie damals das Mitbenutzungsrecht an den herzoglichen Badestuben, was direct gegen die kanonischen Satzungen (vgl. oben S. 11) verstiess. Im Jahre 1459 gehörte der eine Theil der Stadt Herzog Heinrich XL (II, 43), der andere Margarethe von Cilly (vgl. VIII, 2). König Matthias schloss dann 1479 einen Tauschvertrag mit Kasimir von Teschen (VIII, 8), dem Erben der Margarethe von Cilly (Minsberg I, S. 454). *) Minsberg I, S. 322. Griinhagen I, S. 346. 34S. 2) Minsberg I, S. 253. 3) Berndt, S. 11. 4) Lib. nig. I, p. 102.

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