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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 44

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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IRI
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146 Trotzdem hat der Bischof seinen Nachfolgern, wie versichert wird, ein erhabenes Beispiel nicht nur der Weisheit, sondern sogar auch der Gerechtigkeit, Sanftmuth, Milde und rücksichtslosen Unparteilichkeit gegeben1). Die Glogauer Judenschaft durfte 1453 der Vorsehung für die Fügung dankbar sein, dass Capistrano einer Einladung des Herzogs Heinrich XI. (II, 43) in seine Residenz2) nicht Folge leistete. Ihr Fortbestand blieb dadurch unerschüttert. Ja, ihre Lebensbedingungen waren damals günstiger als anderswo. Da seit den Hussitenkriegen die Landstrassen, die von allen Richtungen nach Breslau führten, unsicher und gefahrvoll waren, bevorzugten die Waarenzüge, welche aus Posen und dem Norden die mächtig emporblühenden Leipziger Messen aufsuchten, den Weg, der über Glogau durch die Lausitz nach Leipzig führte, und gaben dadurch der Stadt eine gewisse Bedeutung für Handel und Verkehr3). Zu Gunsten der Judengemeinde fiel dazu noch die Thatsache ins Gewicht, dass über die eine Hälfte der Stadt seit Jahrzehnten die Teschener und über die andere die Glogauer Herzoge schalteten, so dass ein in der einen Strasse missliebig gewordener Jude, wenn er Geld besass, leicht in der Nachbarstrasse Aufnahme finden konnte4). Da wurde ihr Friede Frau des Ritters Heynke Meinhold von Kaldenstein, dem Kreuzherrnkloster testamentarisch eine halbe Mark jährlichen Zinses von einem Hause auf der Judengasse (Staatsarchiv, Neiße Kreuzherren, A. 110, Nr. 235). Am 13. Februar 1478 besass Niklas Smel von Lubschücz in Neiße ein Haus an der Zoll- und Judengasse-Ecke (St. Neiße, Lade III, Nr. 245). Am 4. Februar 1488 bestätigen die Rathmannen, dass der Stellmacher Janko Kutsch in Zukunft von seinem Hause einen Jahreszins von 3 Gr. zahlen werde, und dass dieser Zins nicht mehr vom Judengarten gefordert werden solle (Staatsarchiv Neiße, Kreuzherren, A. 110, Nr. 52). Am 21. März 1488 besass. der Fleischer Jungnickel ein Haus auf der Judengasse (Stadtarchiv Neiße, Lade III, Nr. 275). Am 13. August 1512 erwarb Franz Korn ein Haus und Erbe auf der Judengasse, das zwischen dem Grundstück des Georg Schubart und des Niklas Rutke lag, und zu dem ein Keller unter dem Schubartschen Hause gehörte (BDA. Urk. von Ottmachau). — Uebrigens besass die Gemeinde längst eine Synagoge und einen Friedhof. Wir erfahren z. B., dass schon am 11. October 1410 Nicolaus Falkenberg Rotgiesser de Nisa ein Haus neben der Synagoga Judeorum besass und einen Zins darauf an Dorothea Strofeytynne verkaufte (St. Neiße, Lade I, Nr. 94), und dass am 10. Mai 1423 dem Johannes Heider de Nissa ein Haus in der Altstadt ״Neissi ex opposito sepulturae judeorum“ zwischen den Häusern des Olsleg und der Schwestern Tannenberg gehörte (St. Neiße, Lade II, Nr. 131). Vgl. oben S. 34, Anm. 5. 1) Heyne 111, S. 722. 2) Klose II, 2 38, ex Arch. Litt. B. C. 165. Vgl. Minsberg I, S. 230. 3) Grünhagen I, S. 403 f. Z. XVIII, S. 43. 4) Die Urkunden vom 25. Juni 1440 und 11. Januar 1450 (oben S. 108)

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