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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 42

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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IRI
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144 über Böhmen und die Nebenländer regierte, war für die Lage der Juden gleichgültig. Denn keiner von ihnen kümmerte sich ernstlich um diese Unglücklichen. Sie fristeten daher in der Regel ein kümmerliches Dasein. Ihr einziger Nahrungszweig blieb der Geldhandel. Ueber den Umfang ihrer Geschäfte sind nur dürftige1), über den Zinsfuss2), den sie erhielten, fast gar keine Nachrichten erhalten. Grössere Gemeinden gab es nicht, und tiefere geistige Interessen oder nennenswerthe wissenschaftliche Leistungen traten nirgends zu Tage. Jeder Anlass war genügend, um bald diese, bald jene Judenschaft zu beunruhigen oder gänzlich zu verjagen. Dass in Oels in den Tagen Capistranos keine Gräuel geschahen, obwohl der unglückliche Jacob auf der Folter einige Glaubensgenossen daselbst der Mitschuld bezichtigt hatte3), lag vielleicht da- *) In Glatz halte 1467 die Jüdin Ysaak (Anh. S. LXVI,Nr. 8) von einem Bürger 6 Goldgulden, und die Jüdin Zemle (das. Nr. 16) 3 Goldgulden zu fordern (Urk. u. Reg. II, S. 285k — Im Jahre 1471 hat der Jude Isaak (das. Nr. 7) einen Bürger ״mit Wissen des Vogtes Slegil“ wegen geliehenen Geldes ״gesperrit“ (das. S. 321). — Im Jahre 1472 forderte der Jude Litmann (das. Nr. 12) vor dem Vogt Slegil eine Geldschuld vom Richter aus Rückers und dessen Bruder, dem Müller, und zieht die Jüdin Zemle (das. Nr.'16) einige aussiehendc Schulden ein (das. S. 323 f.). — Im Jahre 1473 bekennt eine Bürgerin, dem Juden Isaak (da^. Nr. 7) 14 ungarische Gulden schuldig zu sein, und um dieselbe Zeit verkauft der Jude Smohil (das. Nr. 15) dem Juden Israhel (das. Nr. 10) einen Brief über 100 Gulden, die er von Pogrel zu fordern hat (Urk. u. Reg. II, S. 331. 332). — lm Jahre 1474 verboten Hauptmann und Rath der Stadt den Juden Namens der Herrschaft, fortan ohne Pfand auf Bürgen, Häuser und Grundstücke etwas zu leihen. Sonst soll die Schuld uneinklagbar sein (das. S. 334 f.). — Im Jahre 1483 bekundet der Jude Aaron (Anh. S. LXV, H., Nr. 1) die Rückzahlung einer Schuld (Glatzer Stadtbuch 1450—1499, fol. 24 ff., vgl. Urk. u. Reg. II, 398). — Die Liegnitzer deckten damals ihre Geldbedürfnisse durch Anleihen bei Posen er Juden. So hatte z. B. Daniel in Posen am 5. Juli 1462 vom Rath in Liegnitz die Summe von 300 Gulden zu fordern (Magdeburger Schöppenbrief 115), und am 1. August 1464 waren Liegnitzer Kaufleute den Juden Daniel und Jacob, Söhnen des Joseph von Posen, 50 ungarische Gulden schuldig (Kgl. Bibi. Berlin, Mss. Boruss E. 95a, fol. 568, Nr. 156). — Herzog Bartholomäus von Münsterberg (XIII, 11) bürgte bei Prager Juden für ein Darlehen des Königs Wladislaw, vgl. die Urkunden, d. d. Ofen, 14. November 1514, bei Bondy־Dworsky, Zur Gesch. der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien, Nr. 1214, S. 957 f. 2) Wir erfahren nur, dass der Breslauer Rath sich 1451 verpflichtete, für eine Schuld von 1200 Mark neun Prozent Zinsen zu zahlen (Stadtarchiv Breslau V. 67, vgl. oben S. 112, Anm.). Als Höchstbetrag des Zinsatzes setzte König Wladislaw 1485 zehn Prozent fest (Friedensburg, Schlesiens Münzgeschichte im Mittelalter, Theil II, in Cod, dipl. Siles. XIII, S- 70, vgl, 101 f.). 3) Oben S. 132.

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