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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 41

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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IRI
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143 hinaus der Schauplatz endloser Kriege und Wirren, die das Land verwüsteten, den Handel und Verkehr hemmten, Handwerk und Ge־ werbe lähmten und die Einwohner verrohten und verderbten. In diesen entsetzlichen Zeiten hatten die Juden, deren Rechte jetzt jeder Bube ungestraft mit Füssen treten durfte, am meisten zu leiden. Einige Sicherheit für Leib und Leben gewährte ihnen nur die endlose Kleinstaaterei1) und die damit zusammenhängende ungleichmässige wirthschaftliche Entwickelung des Landes. So fügte es sich zu ihrem Unheil, dass die gewaltsame Entrechtung, gegen die es ein Abwehrmittel für sie nicht gab, sie in einen schneidenden Gegensatz zu den wichtigsten Lebensinteressen ihres Heimathlandes brachte, für das die heillose Zersplitterung ein schwerer Unsegen war. Erfährt man nun noch dazu, dass damals ganze schlesische Herzogthümer für zwanzigtausend Gulden käuflich waren2), so wird man verstehen, dass zahlungsfähige Juden, die an dem einen Ort ihr Heimathsrecht verloren, gern von einem geldbedürftigen Nachbarn aufgenommen werden. Friedensbriefe erhielten sie hin und wieder3), aber Ruhe und Frieden hatten sie nirgends. Der Personenwechsel auf dem böhmischen Königsthron änderte an diesen Zuständen nicht das Mindeste. Ob ein strenger Herr wie Matthias (1469—1490), oder ein gutmiithiger wie Wladyslaw (1490—1516), oder ein jugendlich sorgloser wie Ludwig von Ungarn (1516—1526) 1) Bei Ladislaus Tode gab es 12—15 selbstständige Kleinstaaten ausser den unmittelbaren Erbherzogthümern und dem Bischofslande. 2) Grünhagen I, S. 349. 3) Am 2. November 1490 nahm Herzog Heinrich der Aeltere (XIII, 5) den Judenmeister Schwarzen Isaak, Daniels Eidam von Prag (Anh. S. LXVI, Nr. 2), mit Frau, Kindern, Brotessern und einem Hausgenossen, den er zu seiner Nothdurfft haben soll, in Glatz als Unterthan-Juden auf und versprach, ihn bei allen ״Rechten, welche die Juden in Prag und Böhmen haben, zu schützen. Er darf sein Geld auf einen gewöhnlichen Wucher, wie er es mit Jedem bereden wird, ausleihen, und die Amtleute sollen ihm zur Eintreibung, wenn nöthig, Hülfe leisten. Auch soll er den Friedhof vor dem böhmischen Thor, den früher die Juden hatten, zum Begräbnissplatz einrichten dürfen. Dafür hat er dem Herzog drei Schock weisse böhmische Groschen p. Z. zu geben und wie ein anderer ״Nockwer der Stadt“ zu wohnen und zu schoßen, Heerfahrt ausgenommen“ (Urk. u. Reg. II, S. 444). Dass auch der Rath von Glatz etlichen Juden Aufnahme gewährte und Frieden zusicherte, ist bereits oben S. 108 bemerkt. — Auch dicht an der schlesischen Grenze entstand am Ende des Zeitraums eine jüdische Ansiedelung. Am 20. November 1519 kam Hieronymus von Biberstein in die ihm zugefallene Herrschaft Sorau und nahm zur Vermehrung seiner Einkünfte zahlreiche Juden vermuthlich gegen hohen Zins auf und versprach ihnen Schutz und Duldung (Worbs, Neues Archiv für Gesch. Schlesiens, der Lausitz etc., S. 220).

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