Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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5. Vom Tode des Königs Ladislaus Posthumus bis zum Tode des Königs Ludwig (1457—1526). Dem letzten Willen des sterbenden Königs gehorsam, wählten die Böhmen den Landeshauptmann Georg von Podiebrad zu ihrem Könige. Zögernd folgten die Mähren und Lausitzer ihrem Beispiel. Nur die Schlesier widersetzten sich der Anerkennung des tschechisehen Ketzers. Die Seele des Widerstandes waren die Breslauer. Nüchterne Besonnenheit hätte sie allerdings zu einem entgegengesetzten Entschluss veranlassen müssen. Denn Podiebrad war nichts weniger als ein finsterer Fanatiker, wie etwa die alten Häupter der Hussiten. Er verlangte nicht mehr als Duldung für die sehr gemässigte Form der utraquistischen Lehre, die er bekannte, und war viel zu klug, um irgend Jemandem seine eigene religiöse Ueberzeugung gewaltsam aufdrängen zu wollen1). Dabei war er an politischer Einsicht und zielbewusster Kraft allen seinen Gegnern weit überlegen. Aber in Breslau herrschte eben noch, und zwar als unmittelbare Nachwirkung der aufreizenden Thätigkeit Capistranos, glaubenswüthige religiöse und nationale Schwärmerei. ״Kluger Rath,“ sagt Eschenloer, der Geschichtsschreiber dieser Zeit2), der selbst an den Begebenheiten thätigen Antheil nahm, ״musste damals verborgen bleiben, und welche im Sch weidnitzischen Keller und in den Kretschamhäusern am besten schelten und trinken konnten, die waren die klügsten und christlichsten. Dadurch wmrde zwischen dem Rath und der Gemeinde Missverständnis und Argwohn ausgesäet, der in vielen Jahren nicht konnte ausgerottet werden. Es w'aren in der Zeit so viele Rathsleute in Breslau als Trinker, Säufer, Spieler und Lotterer. Diese regierten, diese hatten der Stadt Macht; was diese wollten, das musste geschehen.“ Die falsche Politik war ein schweres Verhängnis für das Land und dessen Hauptstadt. Denn obwohl allmählich die meisten Fürsten und Stände dem Könige huldigten, wurde Schlesien doch auf Jahre *) Grünhagen L S. 287. 2) Eschenloer I, S. 80 f.