Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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137 weggenommenen Judengut. Wenn wir lesen, dass z. B. bei dem einzigen Juden Elias1), der im achten Hause der Judengasse wohnte2), u. A. vier rothe und weisse Häubchen, wie sie des Juden Weib trug, eine goldgestickte sammetne Stirnbinde, eine Korallenhalskette, ein Gürtel mit zwanzig vergoldeten silbernen Spangen auf buntfarbigem Seidenzeug, eine Halskette mit ״gele atczstein״, drei mit Perlen besetzte Kopfzierden mit vier Schnürchen oder Senkeln, ein goldener Kopfschmuck, zwei Panzer, Mäntel, Hüllen, Jacken, Ober- und Untergewänder für Männer, Frauen und Kinder von grüner, weisser, schwarzer, blauer, rother, grauer und violetter Farbe aus grobem und feinem Zeug, aus Tuch, Damast, Harras und Parchent, Unterkleider, mit Marder-, Fuchs-, Hasen- und Tigerfellen gefüttert und verbrämt, eine blau-weiss־rothe seidene Fahne in den Landesfarben, Fuchs- und Schaf-Pelze, Leintücher kölnischen Gewebes, Teppiche und Vorhänge, allerlei Waffen und Schiesszeug, sowie Badezeug und Küchengeräthe, zwei messingene Hängelampen, eine Bibliothek von 18 kleinen und grossen Büchern u. s. w 3) gefunden wurden und wir dann erfahren, dass der Erlös aus den bei allen Juden confiscirten Geräthen nicht mehr als 500 Gulden betrug, so werden wir annehmen dürfen, dass die Gebrauchsgegenstände zu sehr niedrigem Preise weggegeben worden sind. Nicht minder geringfügig war der gefundene Betrag an Baargeld. In Breslau, Schweidnitz, Jauer, Striegau und Löwenberg fand man Alles in Allem nicht mehr als 722l/2 Gulden. Entweder muss es also den Juden geglückt sein, einen beträchtlichen Theil ihrer Mittel rechtzeitig zu retten, oder den Christen, die das Geld fortnahmen, gelegentlich grössere Summen zu unterschlagen. Wir wissen es nicht. Etwas reichlich waren dagegen die Ausgaben bemessen. Sie beliefen sich im Ganzen auf 13851/2 Gulden, davon allein auf 832 Gulden für den Unterhalt der drei Königlichen Sendboten und für die Verpflegung der gefangenen Juden. Jedenfalls hat Eschenloer Recht, wenn er klagt, dass das Gut Leuten zufiel, die es ״wenig zu des Königs Nutz brachten“4). Erst in den nächsten Jahren kam die traurige Angelegenheit zum völligen Abschluss. Was in Breslau mit der Synagoge und den Judenhäusern geschah, ist nicht überliefert5). In Löwenberg O Anh. S.XLVI, Nr. 31. 2) Stadtarchiv K. 17 b, 5, fol. 6 a. 3) a. a. O. K. 11b, gedruckt bei O., S. 80 f. 4) I, 13. 5) Aus dieser Zeit erfahren wir nur, dass eine gewisse Katharina auf das Haus Elyas Bedirmannes in der Judengasse lebenslänglich 1 Mk. zu fordern hat,