Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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- Legnica 1× ep/1045053
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136 — bezeichnen1) und ihrer an Fest- und Feiertagen bei der Seelenfeier zu gedenken2). Wer in diesem Falle das schmückende Beiwort und die Krone der Tugend verdient hat, wird der unbefangene Beurtheiler leicht ermessen. Nennenswerthen Vortheil von den Gräueln hatten weder der König noch die Stadt. Die eingezogenen Schuldbriefe beliefen sich in Groschen auf 9568 Mk. 40 Gr., dazu in Hellern auf 567 Mk. und 1/2 Firdung Heller und in Gulden auf 8586 Stück3). Sie sind ein Zeugniss für den ausgedehnten Geschäftsbetrieb der Juden. Auf die interessante Frage aber, ob und von wem die Schuldner zur Zahlung angehalten worden sind, geben unsere Quellen keine Antwort4). Erstaunlich mässig waren die Einnahmen aus dem Zunz, Z. Gesch. u. Litteratur, S. 325 f. 327. 334. Salfeld, Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches, S. XVIII, Anm. 1. 2) In den bisher veröffentlichten Martyrologien werden schlesische Märtyrer aus dem Jahre 1453 nicht erwähnt. Selbst in Glogau, wo Juden ununterbrochen bis auf die Neuzeit gewohnt haben, ist die Erinnerung an diese Vorgänge völlig ausgelöscht. Salfeld (Das Martyrol. v. Nürnberg) kennt schlesische Blut orte nur aus dem vier« zehnten Jahrhundert, nämlich: Breslau (בי״עשלא) im Nürnberger Memorbuch (S. 106b, bei Salfeld S. 69. 249), Breslau (ברעסלא) und, m. E. sehr unwahrscheinlich, Oppeln (אופל) in einer Metzer Liste (Salfeld, S. 78. 208) und Breslau (רעשלא; ), Neisse (?) (נויישא) und Schweidnitz (^שווייכי) im Deutzer Memorbuch (Salfeld, S. 83. 284). Ob im Memorbuch von Bergheim an der Erft unter אופל, מיישטר־בער־ג, שטעד־סלאן Oppeln, Münsterberg und etwa Strehlen (Salfeld, S. 82. 282) gemeint seien, und ob bei לינצא und פושקאו, denen wir in diesem Zusammenhänge auch im Deutzer Memorbuch begegnen (Salfeld a. a. O.), überhaupt an Liegnitz und Patsch kau gedacht werden darf, ist völlig unbestimmt. Namen von Märtyrern sind jedoch unbekannt. Doch finde ich in einer schlecht erhaltenen Pergamenthandschrift der Synagogengemeinde zu Langendorf in Oberschlesien, die etwa im Jahre 1715 angefertigt ist, eine ״Anrufung des Allbarmherzigen“ für 29 namentlich aufgezählte ״Märtyrer, die wegen lügenhafter Anschuidigungen hingemordet worden sind“ (אמ״ר לקדושים שמסרו נפשם עבור פלילית שקרים). Jede chronologische und topographische Andeutung und jede Quellenangabe fehlen dabei. Auch die im Durchschnitt alltäglichen Namen gestatten keine weitgehenden Schlüsse auf die Zeit und Herkunft des Stückes und auf den Zusammenhang, in den es gehört. Da aber die Möglichkeit nicht ganz ausgeschlossen ist, dass darin ein Trümmerstück alter schlesischer Ueberlieferung erhalten ist, so bringe ich es im Anhang V zum Abdruck. Vielleicht giebt die Veröffentlichung den Geschichtsforschern wenigstens Veranlassung, dem heimathlosen Stück die Unterkunft zu verschaffen, die ihm gebührt. Gehört es nach Schlesien, so wäre allerdings die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts der späteste Termin, dem es zuzuweisen wäre, da aus den späteren Jahrhunderten eine Verfolgung, die so zahlreiche Opfer gefordert hätte, nicht bekannt ist. 8) Stadtarchiv K. 17 a, gedruckt bei 0., S. 85 ff. 4) Markgraf Z. XI, 246.