Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2720904-2721003--27-2725316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

130 verstorbenen Salomon1), aus Breslau im Rathhause statt. Der An* geschuldigte schrieb ״frei und willig3״) sein Bekenntniss in hebräischer Vergleichung mit dem Original, die ich meinem verehrten Freunde, Herrn Oberbibljothekar Professor Cohn verdanke, neu abgedruckt. In der kritisch bisher noch nicht untersuchten Abhandlung sind offenbar die mitgetheilten Urkunden von deren Umrahmung zu unterscheiden. Die Urkunden machen durchaus den Eindruck der Echtheit. Alle Umstände: die mitgetheilten Ereignisse, die handelnden Personen) Ort und Zeit der Vorgänge entsprechen der Zeitlage und stehen in allen wesentlichen Punkten im Einklänge mit den sonstigen Quellen-Nachrichten. Ich möchte sie darum ohne weiteres für das ״bekenntnüss“ der Juden, das ״in den Instrumenten daselbs (nämlich in Breslau) auf dem Rathaus gelegen, mit offenbarn Schreibern beczeichnet, vermerkt vnd ingeschreben ist worden“, wovon in der Urkunde Königs Ladislaus, d. d. Brünn, 24. Juli 1453 (gedruckt bei O., S. 78 ff.) die Rede ist, oder für einen Theil davon halten. Ob die Instrumente mit diplomalischer Genauigkeit wiedergegeben sind, ob sie aus der Urschrift oder einer Abschrift stammen, steht dahin, so lange anderweitige Nachrichten über diese Protokolle fehlen. Anders die Umrahmung der Urkunden. Das Datum zu Anfang, das auf den Herbst als den Beginn der ganzen Action weist, die Bezeichnung des sonst nirgends erwähnten Küsters von St. Matthias als des Kirchenräubers, das Schweigen über den Kirchendiebstahl von Langen wiese, die Angabe von 150 Märtyrern, die Erzählung vom Selbstmord des Kirchenräubers durch Erhängen — alles das weicht von den übrigen Quellen ab und stimmt in den Haupt- Sachen nur mit dem Liede Jacobs von Ratingen überein. Auch Jacob von Ratingen kennt als Datum des Ereignisses die ״quater temper vor sinte Michelis dach“, als Kirchenräuber einen ״koster von der kerken“, erwähnt nichts von Lange wiese, giebt als Anzahl der jüdischen Opfer ״sechtich unde hundert“ oder nach der LA. der Kopenhagener Handschrift (GKS., 8°, 3401), deren Mittheilung ich meinem verehrten Freunde, Herrn Prof. Simonsen in Kopenhagen, verdanke, CXL an und erzählt ebenfalls, dass der ״koster moste sich selven hangen“. In der Frage, wer die Quelle und wer der Benutzer ist, möchte ich mich dafür entscheiden, den Dichter für die Quelle des Erzählers zu halten. Jacob von Ratingen, der c. 1460 das Lied verfasste, hat den Stoff, ohne für seinen Zweck ernste Studien anzustellen, aufgenommen, wie er ihm zugetragen wurde, und in seiner lehrhaften Absicht den Kirchenräuber zu einem Judas Ischariot gemacht und ihm dessen Schicksal zugeschrieben. Der Erzähler, der wie manche leise Anzeichen vermuthen lassen — vgl. Grünhagen, Wegweiser, 2. Aufl., S. 3 (s. v. Annalia seu contingentia in civitate Wratislaviensi), S. 6 (s. v. Chronica Silesiae abbreviata), S. 8 (Cronicon Petri comitis Polonie) u. S. 15 (s. v. Spomniki Wroclawskie und Sthenus Barthol.) — in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts gehört, hat dann aus dem Liede den historischen Rahmen für die Urkunden componiert und aus Eigenem nur Geringfügiges (den Wochentag des Anfangsdatums und die Kirche zu St. Matthias, von der er wusste, dass sie in der Nähe der Judengasse lag) hinzugethan. נ) Ich werde jetzt doch zweifelhaft, ob meine Annahme (Anh. III, S, UL Nr. 55), er sei des Rabbiners Sohn gewesen, haltbar ist. Im Protokoll wird der Vater nie als Rabbi bezeichnet, was bei Salomo (Anh. das., Nr. 91) sonst in den Urkunden fast durchgehends geschieht. Auch hat der Rabbi nach allen Nachrichten (Henel, Silesiogr., S. 787. Pol, Jahrbb. d. Stadt Breslau II, S. 4. Xlose,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.