Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2720904-2721003--26-2725315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

129 auch noch die Erwägung hinzu, dass es in der Judensache jetzt überhaupt nicht mehr möglich sein werde, die Schuldfrage unparteiisch festzustellen. In dieser peinlichen Gewissenslage mag der wahrhaft gottesfürchtige Mann sich wenigstens vor dem Greuel haben retten wollen, mit eigener Hand unschuldiges Blut zu vergiessen. Unter solchen Umständen entschloss er sich, Capistrano zu beauftragen, unter Zuziehung des Domkapitels, die Untersuchung durchzuführen, damit Friede werde und nicht durch Aufschub grösserer Nachtheil entstehe1). Das war ganz nach dem Wunsche des Mönches. Jetzt nahmen die Dinge einen raschen Verlauf. Da das Gerücht verbreitet war, dass die Breslauer Juden die Hostien auch ihren Glaubensgenossen in anderen Städten zur Schändung überwiesen hätten, wurden sogleich am 17. Juni2) auch die Juden in Schweidnitz, Jauer, Striegau, Löwenberg3), Reichenbach4) und Liegnitz5) in Haft genommen Die Gefangenen oder die am meisten Belasteten wurden nach Breslau übergeführt. Am 26. Juni6) bevollmächtigte der König, der davon erfuhr, seinen Secretär ״Maister Sigmunden Vorschouer, Licentiaten in geistlichen Rechten“, als dritten Sendboten und wies alle Behörden in Schlesien an, ihm und seinen Genossen alles Judengut, ״Bereitschaft, Geld, Geldschuld, Erbgüter, Pfandschaft, Geldbriefe, wie das Alles genannt ist, nichts ausgenommen“, abzuliefern und ihnen ״Rath, Hilfe und Beistand zu thun, damit die Juden um solch Uebel an ihren Leiben gestraft“ werden. Dazu war inzwischen der Anfang bereits gemacht. Am Freitag, den 22. Juni gegen Abend7), fand die Vernehmung Jacobs, Sohnes des *) Brief an Capistrano, d. d. Neiße, 14. Juni 1453 (Am. Hermann, S. 435). 3) Dieses Datum für diese Thatsache bei Rosicz, SS. rer. Siles. XII, S. 64. Dass am Tage vorher die Breslauer Juden verbrannt worden sein (Heyne III, S. 682) ist nirgends überliefert. 3) Diese Namen im Bericht des Striegauer Stadtbuches (Z. VI, S. 378) und im Stadtarchiv K. 11b (0., S. 83 ff.). Rosicz a. a. O. hat Löwenberg fortgelassen. 4) Reichenbach nur in den Urk. K. 17 a des Stadtarchivs (O., S. 86). s) Liegnitz nur bei Eschenloer I, S. 13. 6) Urkunde, d. d. Wien, 26. Juni, im Stadtarchiv K. 8a (O., S. 78). Sigmund Vorschouer wird bei dem ganz.n Verfahren nicht mehr erwähnt. Wohl aber Jacob Storch aus Wien, vgl. S. 132, Anm. 5. 7) Die Quelle für dieses Datum ist die Abhandlung de Expulsione Judeorum (in Cod. Chis. in Rom Q.1I 51, fol. 54r bis55v, vgl. oben S. 120, Anm. 4). Sie ist zum ersten Mal, und zwar nach dem eigenen Geständniss des Herausgebers sehr mangelhaft, in den MPH. HI, S. 785—789, veröffentlicht und wird hier im Anhang V, nach einer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.