Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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128 seien. Und wenn sie in Sachen des hochwürdigen und achtbaren Sacraments vor ein geistliches Gericht gehören, so muss die Untersuchung so angestellt werden, wie man sie vor Gott, dem Allmächtigen, vor dem König Ladislaus und sonst vor Jedermänniglich verantworten kann. Auch wollen wir gern, wie es einem geistlichen Vater gebührt, dabei rathen und helfen.“ Schliesslich bittet er, einen Juden von Neiße, um dessentwillen er schon einmal geschrieben habe, da er ahnungslos nach Breslau gekommen war und an der Sache durchaus unschuldig sei, aus dem Gefängniss zu entlassen und dafür Sorge zu tragen, dass er sein mit Beschlag belegtes Eigentum unversehrt zurück erhalte. Das versöhnende Wort des gottesfürchtigen Priesters verhallte ungehört. Die entfesselten Leidenschaften wollten eben ihr Opfer haben, und Capistrano war nichts weniger als ein Mann zahmer Vermittelung. ״Wer nicht verdammen kann, ist kein wahrer Christ,“ war einer seiner wichtigsten Glaubens- und Lebensgrund־ sätze1). Jetzt war für ihn der Augenblick gekommen, diese Anschauung in Breslau in die That umzusetzen. Die Verdächtigung der Juden betraf das kirchliche Gebiet, und in einem solchen Falle unterstanden bekanntlich auch die Ungläubigen der geistlichen Gerichtsbarkeit2 3 *). Darum drängte Capistrano den Bischof, die Untersuchung in die Hand zu nehmen. Wer kann wissen, ob nicht doch noch das ganze Lügengewebe aufgedeckt worden w׳äre, wenn der gewissenhafte Kirchenfürst selber die Untersuchung geleitet hätte. Allein zum Unheil für die Juden konnte er sein Richteramt nicht ausüben. Ernste Sorgen um die Sicherheit des Bischofslandes hielten ihn in Neiße fest. Gerade damals wurden die Städte und Dörfer seines Fürstentums von fehdelustigen Rittern, besonders von Jersigk Stosch, mit Raub, Brand und Mord schwer heimgesucht8). Möglicher Weise war ihm auch die Sorte Frömmigkeit, die für Capistrano charakteristisch war, und die er soeben im täglichen Umgang mit dem Mönche ihrem wahren Werte nach kennen gelernt hatte, im tiefsten Herzen derartig zuwider, dass er Bedenken trug, gemeinsam mit ihm das Gerichtsverfahren zu leiten. Und vielleicht kam auf Grund der aus Breslau einlaufenden Nachrichten ») Jacob I, S. 60. 2} Vgl. oben S. 10ff. 21. Am. Hermann, S. 245 ff., bes. S. 247, Nr. 27. Heyne III, S. 473, gegen Jacob.I, S. 96. 3) Rosicz, SS. rer. Siles. XII, 64, vgl. S. 59. 66. Heyne erwähnt diese Fehden nicht und spricht nur von solchen mit Heinze Stosch (III, S. 700. 899 f.).