Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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126 Händen Capistranos, gesehen habe1). Ueber die wirklichen Vorgänge lässt sich etwa Folgendes feststellen: In Langenwiese, einem Dorfe zwei Meilen W. zu SW. von Oels, stahl ein Bauer das Ciborium aus der Kirche. Ein Breslauer Stadtknecht und sein Weib waren seine Mitschuldigen. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass das Weib, etwa als Anstifterin, am meisten belastet war2). Mit glühenden Zangen gezwickt, gestand sie ein, was man brauchte und wünschte3). Die Juden hätten sie beredet und bestochen, ihnen eine Hostie zu beschaffen. Das dem Juden Meyer4) ausgelieferte Sacrament hätten die Juden mit Pfriemen gestochen, mit Ruthen geschlagen und ihm allerlei Schmach angethan. Sofort wurden nicht nur die beschuldigten, sondern alle Breslauer Juden verhaftet5) und ihr Eigenthum mit Beschlag belegt und auf die Kgl. Burg in Verwahrung gegeben. An den König ging ein Bericht des Rathes über die Vorgänge und der Antrag, das weitere Verfahren anzuordnen. Am 23. Mai antwortete der König, wie sehr er erschrocken sei besonders der Unehr wegen, so dem allmächtigen Gott und dem heiligen Sacrament, auch Christlichem Glauben geschehen sei und dankt dem Bürgermeister, den Schöffen und Räthen für deren guten Fleiss, damit sie sich gegen Gott und ihren natürlichen Erbherrn als fromme Christen erzeigt und bewiesen haben. Zugleich meldet er ihnen, dass er seine getreuen lieben Diener und bevollmächtigten Sendboten Sigmund Potenprunner und Oswalt Reich zu ihnen schicke, denen er ganze Gewalt und Macht gegeben habe, mit denselben Juden und Jüdinnen, auch ihrem Leib und Gut, nach der Stadtväter Rath und Gefallen zu thun und zu handeln, auch zu richten und zu strafen, damit Gottes Lob und Ehre darin wahrgenommen und solche Unehr, dem heiligen Glauben zur Schwächung, gerochen und gebüsst werde, wie das am besten vorgenommen werden mag. Als etwa Anfang Juni die Bevollmächtigten in Breslau anlangten, war Capistrano längst wieder anwesend. Am 19. Mai, dem Tage vor Pfingsten, war er zurückgekehrt und fand das Unheil in vollem Gange. 9 Vita et gesta, S. 44 f. 2) Rosicz, Striegauer Stadtbuch, Eschenloer. 3) Rosicz a. a. O. 4) Genannt in der Urkunde vom 22. Mai 1453, gedruckt bei O., S. 76 f. Gemeint ist offenbar der Anh. S. LIV, Nr. 74, Erwähnte, der zum Vorstand der Gemeinde gehörte. 5) Vgl. oben S. 125, Anm. 1 u. 2.