Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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125 czween meylen vnde her sie gesohlt hatte, do hatte her en zere gedangkit vnde zu en gesprochen: Lieben frunde, czihet en heim, ir wert newe meer dirfaren vnde dorynne bedorffet ir wol, das ir euch wol bewaret vnde weislich haldet.“ In der That die prophezeite ״newe meerw, in Wahrheit das alte abgenutzte Märchen, liess nicht lange auf sich warten. Schon einen Tag1) oder zwei Tage2) später sassen sämmtliche Breslauer Juden im Gefängniss, und abermals wenige Tage später3) (5.—7. Mai) wurde der Juden Habe mit Beschlag belegt und für die Obrigkeit verzeichnet. Eine ihnen zugetraute rohe Beschimpfung des christlichen Glaubens genügte zu ihrem Verderben. Eine wirkliche Verschuldung traf sie nicht und wurde ihnen in keiner Weise nachgewiesen. Stimmen doch die ziemlich reichlich fliessenden Quellen nicht einmal in der näheren Bestimmung des ihnen zur Last gelegten Verbrechens überein. Christoph von Varese, ein Augenzeuge der Untersuchung, weiss nur, dass die Juden auf der Folter die Tödtung eines Christenknaben, dessen Blut sie zu Opferzwecken brauchten, gestanden hätten4;. Die Protokolle über die erpressten Geständnisse der Juden5) und die Berichte des Domherrn Sigismund Rosicz6) und des Striegauer Stadtbuchs7) gedenken mit keiner Silbe eines Christenmordes und erzählen nur von der Schändung bald einer, bald mehrerer — neun oder zehn ־— Hostien. Nur Nikolaus von Fara, ebenfalls ein Augenzeuge, steht allein mit seinem Bericht über beide Verbrechen der Juden und fügt zu deren Beglaubigung noch die Versicherung hinzu, dass er mit eigenen Augen die Gebeine des — übrigens nach seiner Darstellung vor Jahrzehnten — getödteten Knaben in den *) Ann. Wratisl. antiqui, Cod. dipl. Sil. III, 93 ff. und danach MG. XIX, 526 ff. und Mon. Pol. Hist. III, 686, vgl. noch SS. rer. Siles. X, 19: ״in die Sanctorum Philippi et Jacobi“ 1. Mai. In SS. rer. Siles. XI, 129 ist demnach nur die Jahreszahl 1454 sicher falsch. 2) Rosicz in SS. rer. Siles. XII, 64: ״feria quarta post Cantate die secunda mensis Junii“ [Druckfehler für Maji]. 3) 'Stadtarchiv K. 11b, gedruckt bei O. 87 ff. Oelsner würde von einer ״Revolution von oben“, bei der ״nicht wie sonst der Priester sich des fanatisiiten Volkes, sondern umgekehrt das Volk sich des fanatisirenden Priesters bediente“ (S. 35) sicherlich nicht geredet haben, wenn ihm 1863 bereits das zum Theil erst viel später aufgefundenc und zugänglich gemachte Material vorgelegen hätte. . . .4) Vita et gesta, S. 97. 5) Mon. Pol. Hist. III, S. 787 ff., vgl. IV, 2 ff. 6) SS. rer. Siles. XII, 64. ד) Z. VI, S. 378. . .