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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 20

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721003--19-2725308
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122 Schon am nächsten Tage predigte er in der EHsabethkirche. Der Raum erwies sich als viel zu klein für den Andrang der Zuhörer. Darum hielt Capistrano von nun an seine Predigten im Freien, meist vor seiner Wohnung am Salzring. Einmal predigte er bei verschlossenen Thüren im Dom nur für die Geistlichkeit1). Diese Predigten liegen jetzt gedruckt vor2). Man sieht daraus, dass dem Redner ungleich wichtiger als die Beobachtung der Gesetze der Beredsamkeit3) und die Genauigkeit in der Anführung seiner Quellen4) der Eindruck war, den er hervorrufen, und der Erfolg, den er erzielen wollte. Und der war stets auf seiner Seite. Er selbst schätzte einst die Anzahl seiner Zuhörer an einem Tage auf 18,000 Personen5), und seine Biographen melden, dass mehr als 200,000 Menschen sich während seiner Anwesenheit in Breslau angesammelt hätten6). Auch Wunder that er nach seiner Gewohnheit, im März allein deren etwa 47, abgesehen von den vielen, welche die nachlässigen Schreiber zu verzeichnen vergessen haben7). Ein besonderes Schauspiel bot der 18. März den Breslauern. An diesem Tage liess der Mönch aus der ganzen Stadt die Karten und Brettspiele und allerlei weibischen Putz und vielen Tand auf einen Haufen Zusammentragen und Angesichts des ganzen Volkes, das um das Freudenfeuer herumstand, verbrennen. Dann zog er in die Neustadt und legte den Grund zur neuen Kirche und zum Kloster. Die Mönche sollten ge- Kreuz an, welches vor Errichtung des Blücherdenkmals die Stelle verewigte, an der die Juden den Scheiterhaufen besteigen mussten. Als ich 1868 nach Breslau kam, befand sich das Kreuz noch zwischen zwei Fenstern des ersten Stockwerkes dieses Hauses. Jetzt ist es beim Umbau des Hauses vom Eigenlhümer dem Museum schles. Alterthümer überwiesen worden und wird dort unter der No. 6667 aufbewahrt. ף Markgraf, S. 244. Jacob I, S. 91. 2) Jacob, Bd. II: Die auf der Kgl. u. Universitäts-Bibl. zu Breslau befindliehen handschriftlichen Aufzeichnungen von Reden und Tractaten Capislranos Breslau 1905), S. 413 ff. 3) Vgl. die Kritik Jacobs über die Disposition und deren Ausführung a. a. O., S. 463 ff. 4) In den kaum zwei Druckbogen füllenden Predigten hat Jacob über vierzig falsche und ungenaue Citate nachgewiesen, die gewiss nur zum Theil der Nachlässigkeit der Abschreiber zur Last fallen (a. a. O., S. 444 ff.). Hin und wieder bedürfen allerdings auch seine Berichtigungen der Beri. htigung, z. B. S. 444, Anm. 9, ist nicht Lev. 11, 44, sondern 19, 2, Anm. 11, nicht Lev. 21, 8, sondern 11, 44 gemeint u. dgl. Kleinigkeiten. 5) Markgraf, S. 242. 6) Vita et gesta, S. 174. 7) Christoph von Varese, S. 140.

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