Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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119 Im Frühjahr 1451 machte er sich auf den Weg1). ״Ueberall, wohin er kam, strömte von allen Seiten das Volk herbei. Männer und Frauen stürmten ihn zu sehen, vergossen Thränen der Freude und der Begeisterung, erhoben die Hände zum Himmel, begrüssten ihn bei seiner Ankunft, priesen ihn bei seinem Abzug, berührten und küssten, wenn sie in seine Nähe kamen, seine Kleider und blickten auf ihn wie auf einen Sendboten des Himmels, wie auf einen Engel Gottes2״). Tausende und Abertausende eilten zu seinen Predigten herbei und lauschten stundenlang angespannt, obgleich sie kein Wort verstanden, da er nur lateinisch sprach. Wenn dann ein Ordensbruder die Rede nach seinen Notizen zu verdolmetschen begann, verlor sich der Haufe schnell. Durch die Wundererzählungen aber, die von Mund zu Munde gingen, wuchs der Zulauf ins Unendliche. Unheimlich wurde so sein Einfluss auf die Massen. Sie waren ein willenloses Werkzeug in seiner Hand3). Nichts Hessen die geängstigten Juden unversucht, um das Unheil abzuwehren. Manche bemühten sich, durch Gaben und Ehrengeschenke den Eifer des Mönches zu dämpfen; natürlich vergeblich4). Hie und da, zum Beispiel in Fürth, gelang es, mit bewaffneter Hand seine Schaaren zu vertreiben5 * * 8). In allen Gegenden aber, die er berührte, besonders in Oesterreich, beteten und fasteten sie und riefen laut zu ihrem Gotte. Am rührendsten war der Opfermuth R. Isserleins, des Judenmeisters von Wiener Neustadt, des Sprosslings edler Glaubenszeugen. Als in seinem Wohnort Capistrano in seinen Predigten, deren Zuhörer auch Kaiser Friedrich häufig war, sich laut seiner Wunderkraft rühmte, verpflichtete sich der Rabbi, 4) a. a. O., S. 125. 5) Hartmann Scheydel von Nürnberg bei Am. Hermann, S. 406. Siehe weitere Berichte der Wiener (Jacob I, S. 52), Erfurter (das. S. 77 ff.), Hallenser (das. S. 74), Magdeburger und Leipziger (das. S. 75) Chronisten. בכל אשר צוה שמעו לקולו עד שכמעט שמוהו לאלוה (״, charakterisirt ihn sehr richtig David Gans in s. Zemach David I sub anno 1451. ז) Aliquando ei pre timore munera offerebant, berichtet Christoph von Varese (S. 97), sed ipse subridens capere nolebat et recusabat. 8)Von Mose, dem Ururgrossvater des berühmten Buchdruckers Gerson (b. Mose b. Israel Nathan b. Samuel) von Soncino, erfahren wir, dass er in der Stadt Fürth gegen den Judenfeind Fra Juan Capistrano gekämpft und ihn mit seinem Heere von dort verjagt hat (והוא נלחם בעיר פירט נגד הרשע פרא יואן קפישטראנו וגרש אותו עם בל חילו משם), vgl. die Titelblätter der ed. Constantinopei 1534 des Michlol David Kimchis und der Arithmetik Elia Misrachis, s. auch Steinschneider CB., No. 9283. Güdemann (III, 145) hat von Ghirondi, תולדות גדולי ישראל, Jod 219, irre geführt, ,Israel* statt ,Mose“.