Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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117 ihm geglückt sei, in vielen Ländern und Städten durchzusetzen, dass die zu Gunsten der Juden erlassenen, vom Teufel eingegebenen Freiheitsbriefe gebrochen wurden1). Das stimmt auf das Genaueste mit den Berichten der jüdischen Quellen überein. Ein uns erhaltener Briefwechsel zweier italienischer Gemeinden giebt uns ein deutliches Bild von dem Schrecken, den die Massregeln des Mönches hervorriefen2). Willig und freudig folgte er jetzt dem Befehl des Papstes, zumal nachdem ihm eine Herzenssorge, die Heiligsprechung seines Meisters und Vorbildes Bernhardin von Siena abgenommen war. Als die Verhandlungen über die Kanonisation nicht von der Stelle rücken wollten, erbot er sich in zügellosem Eifer zu einer Feuer probe. Mit den Gebeinen seines Lehrers wollte er den Holzstoss besteigen. Wenn beide verbrennen, seien daran seine Sünden schuld. Wenn nicht, so müsse die Folgerung daraus gezogen werden3). Das tollkühne Angebot erfüllte seinen Zweck. Pfingsten 1450 wurde die Kanonisirung feierlich verkündet. Ob der leidenschaftliche Vorschlag ernst gemeint war, entzieht sich dem Urtheil. Jedenfalls weniger ernst gemeint war sein Angebot, mit den römischen Juden über ihren Glauben zu disputiren. Die Juden Roms stellten ihren besten Mann zu diesem Redekampfe. Mose di Rieti, der wegen seiner ausserordentlichen dichterischen Begabung nach sachverständigem Urtheil mit Recht den Ehrenbeinamen des hebräischen Dante verdiente4), der wegen seiner umfassenden medizinischen Bildung und Erfahrung päpstlicher Leibarzt5) und wegen seiner ausgebreiteten talmudischen und rabbinischen Kenntnisse Rabbiner in Rom gewesen ist, hatte bereits die Hauptpunkte für das Zwiegespräch schriftlich fixirt. Capistrano aber zog es vor, dem Redestreit aus dem Wege zu gehen6). Der Mann des Wortes konnte Rede und Gegenrede nicht vertragen. Er duldete keinen Wider-!) Sic in diversis mundi partibus . . . dyabolica illa privilegia in judeorum favorem edita infringi obtinuit (Vita et gesta Johannis de Capistrano [Wien 1523], S. 96). 2) Mitgetheilt von David Kaufmann in REJ. [= Revue des Etudes Juives] XXIII, S. 251 ff. а) Am. Hermann, S. 279. 4) Delitzsch, Franz, Zur Gesch. der jüd. Poesie, S. 54. 145. 5) Rieger, Gesch. der Juden in Rom II, S. 69. б) ״Hier die Notiz von einigen meiner Einwürfe,“ schreibt Rieti in cod. Oxf. 818, fol. 174b, ״gegen den Bruder, den bekannten Judenfeind, der in Rom die Schlachtreihen des lebendigen Gottes gelästert und