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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 14

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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IRI
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- 116 - stand, mit der rothen gesunden Gesichtsfarbe, dem kahlen Kopfe und grauen Barte und mit den langen Armen, die bis über die Kniee herabreichten, war von eiserner Energie beseelt und stellte alle seine Fähigkeiten, seine grosse Belesenheit, seine gefeierte Beredsamkeit, seine nicht gewöhnliche Geschäftsgewandtheit und nicht an letzter Stelle seine von ihm selbst1) und von anderen2) gerühmte wunderthätige Kraft in den Dienst des einen unbeugsam festgehaltenen Zieles, den allein seligmachenden Kirchenglauben zur unbeschränkten Alleinherrschaft zu bringen und jede Art von Ketzerei und Unglauben vom Erdboden zu vertilgen. Schon seit etlichen Jahrzehnten führte er in Italien als bestellter Grossinquisitor den Kampf gegen die Ketzerei der Jesuaten3) und Fraticellen4) und gegen den Unglauben der Juden5). Die ganze Strenge des kanonischen Rechts, das bekanntlich darauf ausging, das religiöse, bürgerliche, gesellschaftliche und geschäftliche Leben der Juden auf das äusserste einzuschränken, suchte er rücksichtslos zur Geltung zu bringen. Rühmend berichtet sein Ordensbruder und Reisebegleiter Christoph von Varese, dass es ״ (נUsque in hodiernum diem״, schreibt er am 10. October 1451 aus Eggenburg (Bez. Bruck) an den Rath von Aquila, ״septingenta miracula, quae Omnipotens Deus populis ostendere dignatus est, mei socii adnotaverunt, postquam iter versus hac ultramontanas partes direximus, ut taceam infinita alia, quae vel scribi non potuerunt ob nimiam hominum frequentiam, vel ignorata fuerunt nulla facta examinatione.“ Am. Hermann, Capistr. triumphans, S. 284. 2) Der Jesuit Matthäus Räder (st. 22. Dezember 1634) hat in seinem Viridarium sanctorum, S. 18, die interessante Aufstellung gemacht, dass Capistrano über 30, theils Todten, theils Sterbenden, das Leben wiedergegeben und 370 Taube, 36 Stumme, 123 Blinde und 910 Lahme geheilt hat (Jakob I, S. 46). Zu welchen absonderlichen Vergleichen mit den evangelischen Berichten diese ״beglaubigten Thaten* herausfordern, hat der gläubige Christ offenbar nicht bedacht. Ein besonnener Zeitgenosse wie Aeneas Silvius, der nachmalige Papst Pius II., dachte freilich anders über den Wundermann, den er persönlich sehr wohl gekannt hat. Er will gar nicht abstreiten, was andere Leute erzählen. Von sich selbst aus aber sagt er: ״Ich habe viel von den Wundern jenes Mannes gehört, aber gesehen habe ich nichts, was er Uebernatürlichcs gethan hätte״ (Voigt, Joh. von Capistrano, S. 92). Ungleich schärfer urtheilt Capistranos Ordensbruder Matthias Döring. Vgl. AA. SS. Oktober X, S. 332 u. das. die Vertheidigungsversuche seines einseitigen Bewunderers J. van Heck (s. auch das. S. 381 ff.). 3) AA. SS. October X, S. 288 f. Wad ding, Annales Minorum Xf, S. 13. Jacob I, S. 29. 4) Wadding, Ann. Min. VI, S. 289. Am. Hermann, S. 238 ff. AA. SS. a. a. O., S. 323 ff. Jacob I, S. 29 f. ף Wadding X, S. 566 ff.; XI, S. 282. Am. Hermann, S. 245 ff. 272 ff. AA. SS. S. 284. 290.

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