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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1907-01-01 · 1907 · page 13

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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115 die fremden Juden, die am Orte verkehrten1). Um so behaglicher lebten dafür die reichen Leute. Einige von ihnen hielten sich einen besonderen Famulus2). Alle aber erfüllten mit treuer Hingebung die Liebespflichten gegen arme, sieche3), kranke und sterbende Glaubens־ brüder4). Und da innerhalb der Mauern der Stadt die Verwaltung und die Rechtspflege auch während der äusseren Wirren ihren geordneten Gang behielt und in der allgemeinen Noth nur selten Jemand daran dachte, den Juden aussergewöhnliche Uebel5) zuzufügen, so blieb ihre Lage immerhin einigermassen erträglich, bis ein äusserer Anstoss den nationalen und religiösen Hass zu ver־ zehrender Gluth entfachte. Der Franziskanermönch Johann von Capistrano erhielt im Jubeljahr 1450 vom Papste den Auftrag, nach Deutschlaud und den östlichen Ländern zu ziehen, um die Gewissen der Gläubigen zu schärfen und sie zu strengem Gehorsam gegen den heiligen Stuhl zurückzuführen. Ein bewährteres Werkzeug zur Lösung dieser Aufgabe hätte nicht ausgevvählt werden können. Das unscheinbare, vertrocknete Männlein6), das jetzt im 64. oder 65. Lebensjahre7) *) Bei Salomo carnifex wohnten im Mai 1453 David von Pozanaw gast, Jonas von Reichinbach gast, Meyer von Pozanaw gast (Stadtarchiv K. 17b, 5, fol. 6 a). David ist vielleicht der bei Geyder Fehles. Prov.־Bl. Bd. 108, S. 11 Anm.) erwähnte, vgl. oben S. 112 Anm. Ein Schweidnitzer Jude wohnte damals als Gast im elften Hause (Stadtarchiv a. a. O.). 2) Z. B. Pincus (Anh. S. LVII, Nr. 87 und oben S. 88, Anm. 8 am Ende) und Abraham von Oppeln (Anh. S. XLIV, Nr. 14). Der farr.ulus des Letzteren hiess Israel (vgl. Anh. S. L, Nr. 48) (Stadtarchiv a. a. O.). 3) Einige Inquilinen (Israhel und David filius israel) wohnten beim Glöckner, ein anderer, der Junge Eichil, bei dem reichen Jordan (Anh. S. LII, Nr. 63) und eine Matrona antiqua im fünfzehnten Hause (Stadtarchiv a. a. O.). 4) Ueber den Friedhof vgl. oben S. 88, Anm. 3 bis 6 und unten S. 137 f., Anm. 5. In unsere Zeit gehört die das Grundstück betreffende Urkunde des Stadtarchivs Kloe HH. 10a d. d. 21. Februar 1439. 5) Als ein solches ist die Rathswillkür, d. d. Breslau, 5. April 1448, wodurch den Juden verboten ward, Christenweibern hinter ihren Männern Geld auf Pfänder zu leihen, kaum anzusehen. Ebensowenig natürlich, die Einrichtung eines besonderen ״libellus judeorum“ für die Judenschulden, wenn anders aus der vereinzelten gelegentlichen Notiz im Lib. rationum de anno 1445 (Stadtarchiv N. 1004), d. d. 15. Februar 1445: ״et deletio facta est in libello judeorum“ ein so weitgehender Schluss gestattet ist. Begreiflich würde dadurch allerdings die oben (S. 111, Anm. 1) erwähnte Thatsache, dass anderweitig aus dieser Zeit so gar wenig über Geldgeschäfte des Breslauer Raths mit den Juden bekannt ist. 6) Ueber sein Aeusseres vgl. Pol, Jahrbb. der Stadt Breslau II, S. 5. AA. SS. Oct. X, 329. 7) Ueber sein Geburtsjahr vgl. Jacob, Johannes von Capistrano! (Breslau 1903), S. 170 f.

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