Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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109 sage wurde gerade in demselben Augenblick, in dem sie sich hätte wirksam erweisen sollen, schnöde verletzt. In den Glogauer Friedensbriefen war den Juden, gegen eine besondere Abgabe von einer Mark für jeden Fall, beim Ausbruch einer Feuersbrunst1), ein ganz besonders wirksamer Schutz zugesichert. Als aber kaum zwei Jahre nach 1er Ausstellung der Privilegien, am 25. April 1442, im Judenviertel in Glogau ein Feuer ausbrach, riss raubgieriger Pöbel die Synagoge ein und plünderte die brennenden Häuser״). Wie das von Alters her3) ihnen verbriefte Recht auf die Unverletzlichkeit ihrer Heiligthümer gehandhabt wurde, haben wir an den Beispielen von Jauer und Strehlen4) erfahren. Wer daher irgend konnte und durfte, floh solche ungastliche Städte. Ueber die verlassenen Grundstücke verfügte in der Regel die Obrigkeit, hin und wieder wohl auch der abziehende Jude5). Ging aber der Jude in seiner Steuerfähigkeit zurück oder verarmte er gar, so gab es überhaupt keinen Schutz für ihn. Er musste ohne Erbarmen zum Wanderstabe greifen. In einen solchen Zusammenhang gehören wohl die Nachrichten über Austreibungen, die 1447 in Liegnitz6), 1448 in Brieg7) und 1452 in Neiße8) stattgefunden haben sollen. Denn in allen diesen Städten fanden sich auch J) Vgi. oben S. 52, Anm. 1. -) Minsberg I, 332. Das Tagesdatum nach Lucae 2196 und Cureus, Ann. Sil. 314. Vgl. Görlich, Strehlen, 017. 3) Oben S. 15. 4) Oben S. 105 und S. 107. 5) Am 26. October 1441 verkauft Katharina Schwarzen Hannoüen ihr Haus auf der Judengasse in Strehlen, und am 19. Dezember 1441 erwirbt Michel Anschwitz ein Haus an der Ecke der Judengasse in Strehlen, das ״etwenn Canolds Juden“ (S. LXIV nachzutragen) Eigenthum gewesen ist (Staatsarchiv D. 384 b §§ 115. 116). Im Jahre 1443 besassen in Breslau Christen Häuser auf der Judengasse (Stadtarchiv Repert. Roppanum, Nr. 5 m). Am 7. Dezember 1447 überwies Herzogin Elisabeth (IX, 19) die Synagoge und die Häuser der Juden in Liegnitz dem Rath der Stadt (Schirrmacher S. 431, No. 725; Sammter I, 496 ff.; vgl. Zeitschrift für Gesch. der Juden in Deutschi. IV, 182). °) Vgl. die Citate am Ende der vorigen Anmerkung. Hier stand die Massregel übrigens in nahem Zusammenhänge mit dem Bestreben des Stadtschreibers und späteren Bürgermeisters Ambrosius Bitschen, seine Vaterstadt etwa gerade so wie Breslau in unmittelbare Abhängigkeit von der Krone Böhmen zu bringen. Vgl. Grünhagen I, 276 ff.; Anh. S. 86. 7) Schön wälder III, 364. Die Notiz bei Schickfus, Buch 4, S. 86, dass in demselben Jahre auch eine Ausweisung aus Schweidnitz stattgefunden habe, beruht wohl auf einer Verwechselung mit den Ereignissen der Jahre 1457 und 1458. 8) Kästner I, 511. Die Nachricht (Beitr. z. Beschr. Schlesiens, S. 269),