Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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106 laubniss, die dortige Judenschule in eine Kapelle zum hl. Adalbert zu verwandeln. Und abermals einige Tage später, am 27. Juli, wies er den Rath von Breslau an, die hundert Gulden, die sein Abgesandter Hans Nespor von Bischofswerder während seines Auf־ enthalts in Breslau verbraucht hatte, rücksichtslos von den Juden einzutreiben. Die Forderung war weder ungewöhnlich noch übertrieben. Schon die Luxemburger, König Johann und Kaiser Karl, hatten vor hundert Jahren häufig genug ähnliche Ansprüche gestellt. Nur in den Anschauungen, die für den Herrscher massgebend waren, war ein grundsätzlicher Wandel eingetreten. Damals bekannten die Landesherren in dem Bewusstsein, dass sie rohe Ge־ walt übten, wenigstens offiziell, dass ihnen in ihrer Nothlage auf ihr inständiges Bitten von den Juden ein Geschenk gegeben sei1). Von dem gleichen, ja vielleicht von noch feinfühligerem Gerechtigkeitsgefühl war König Albrecht bei seinen sonstigen Regierungshandlungen erfüllt. Ging er doch sogar soweit, den schlesischen Landesfürsten eine Urkunde auszustellen, in der er ausdrücklich erklärte, dass er von den Juden zwar die übliche Krönungssteuer erhoben habe, dass er aber im Uebrigen in keiner Weise in die Steueransprüche der weltlichen und geistlichen Obrigkeiten eingreifen wolle2). Für die Behandlung der Juden selber galt ihm jedoch als Richtschnur nur sein gutes Recht, die Ungläubigen, wenn nicht anders, an Gut und Leib zu tilgen und gründlich zu verderben. Darum schrieb er einfach an den Rath: ״Wir begern von euch und gebieten euch ernstlich, daz Ir die Judischeit, bey euch gesessen, noch daran wiset vnd haltet, daz Sy solich obgenante hundert guldenn an fürder vercziehen vssrichten vnd beczalen vnd dorynne nit anders tun als lieb In sey vnser svver vngnade zu vermyden. Vnd were sach, daz Sy sich vnsirn geboten nicht gehorsam sein weiten, das wir doch nit hoffen, daz Ir die Judischeit mit gewalt derczu brechtet, solichen vnsern geboten nachzukomen vnd gehorsam czu sein, vnd tut hyryne nit anders, das ist vnsere ernste meynung“3). Abhandlung, betitelt: Silesia numismatica, geschrieben hat. Er meint, dass die Münzen im 15. Jahrhundert von den Juden aus Furcht vor der Habgier des Königs vergraben worden seien (Gelehrte Neuigkeiten Schlesiens, Liegnitz 1739, S. 356; Zimmermann a. a. O , S. 67). ן) Oben S. 46 f., vgl. 96 f. 2) BDA. Orig.-Urk. NN 10 d. d. Neiße, 10. Februar 1439. 3) Stadtarchiv EEE 62. Die Notiz im Lib. sign., p. 96, d. d. Breslau, 5. Januar 1442, dass die Judem dem Pavel Tempelfeldt 50 Gulden von dem Gelde, das sie dem Kanzler der Königin schuldig waren, bezahlt haben, bezieht sich vermuthlich auf eine andere Angelegenbeit.