Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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105 4. Vom Tode Kaiser Sigismunds bis zum Tode seines Enkels Ladislaus Posthumus (1437—1457). Kaiser Sigismunds letzter Wille wurde von seinen Völkern in Ehren gehalten. Sein berühmter Kanzler Caspar Schlick setzte durch, dass die Deutschen, Ungarn und Böhmen des Kaisers Schwiegersohn Albrecht zu ihrem König wählten. Der neue Herrscher war ein kluger und kraftvoller Mann, milde und gerecht gegen seine dienstwilligen Unterthanen, dabei aber auch ein strenger Papist und darum rücksichtslos hait gegen Ungläubige und Ketzer. Mit leidenschaftlichem Hasse standen damals Papisten und Hussiten, Deutsche und Slaven nicht nur in Böhmen sondern auch in Schlesien einander gegenüber. Selbst in gleichgültigen Privaturkunden1) kam der Ingrimm zum Ausdruck. Wie viel mehr im Leben und im Umgang. Mit Grauen erinnerten sich die schlesischen Juden an die Gräuel, die der neue König als Herzog von Oestreich an den Juden seines Landes vor achtzehn Jahren verübt hatte2) und machten sich auf Schlimmes gefasst, als sie vernahmen, dass Albrecht am 29. Juni 1438 zum König von Böhmen und den Nebenländern gekrönt worden sei. Sie hatten nicht lange zu warten. Schon wenige Tage später gab er dem Rath und den Bürgern von Jauer3) die Er- 9 Vgl. z. B. die Neißer Schuldurkunden vom 1. Mai 1428, 19. Januar und 1. Mai 1429, in denen wiederholt von den ״wedersteunge der sudden vnde vorstuckten Ketzer vnd Feyende‘־ die Rede ist, die uns ״vnuorwintlichen schaden“ gethan haben (St. Neiße, Lade H, 143. 145. 147) und die Urkunde des Bischofs Konrad vom 27. Februar 1440 im BDA [= Breslauer Diöcesan-Archiv]. 2) Vgl. oben S. 96, Anm. 3 und jetzt noch Scherer, Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-östreichischen Ländern (Leipzig 1901), S. 410 ff. und die vortreffliche Ausgabe des Leket Joscher (Bd. I: Berlin 1903; ßd. II: Berlin 1904), Einl., S. XX f., XXXVlll f. und sonst häufig, die wir Jacob Freimann zu verdanken haben, so ie Steinschneider, Geschichtslitt. d. Juden 1 (Frankf. a. M 1905), §71. 72 (S. 67 f., vgl. 177). Bei Scherer a. a. O., S. 411, Anm. 2, Zeile 4, ist übrigens II (statt I), 550 und gegen Ende 'מעשה ה (statt Jehudo) zu lesen. 3) Im Jahre 1420 sollen nämlich die Juden aus Jauer vertrieben worden sein. Nähere Nachrichten sind darüber nicht erhalten. Die Erlaubniss König Alberts datirt vom 7. Juli 1438. Vgl. oben S. 30, Anm. 6, und Neuling, Schlesiens Kirchenorte, 2. Aufl. (Breslau 1902), S. 112. Zimmermann, Beiträge zur Beschr. v. Schl., Bd. 6, S. 61. Im Jahre 1446 wurde neben der Kapelle ein Spital angelegt (Fischer, Gesch. von Jauer, S. 224). Im Hospital-Vorwerk fand man am 16. Juli 1726 beim Ausführen des Düngers aus dem Schafstall viele Goldmünzen in Töpfen, über die der Schulrector Stutz in .lauer im Jahre 1739 eine gelehrte