Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 57)
- Language
- German
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— 201 — Wie durch die Annahme von der Präexistenz die Frage nach dem Zweck der Verbindung zwischen Seele und Leib besonders nahegerückt wird, so ergiebt sich aus jener Annahme von selbst die Fortdauer der Seele nach dem Tode. Wenn die Seele früher ohne die Gemeinschaft des Körpers existirte, warum sollte sie nicht fortbestehen, nachdem sie den Körper verlassen hat? Darum bemüht sich auch Ibn Saddik mehr, gewisse falsche Vorstellungen über die Art der Fortdauer zu zerstreuen, als diese selbst zu beweisen, wenn er es auch nicht ganz unterlässt, den Glauben an die Fortdauer zu begründen und gewisse Einwände zu beseitigen. Die Seele, bemerkt er, erleidet keinen Schaden, wenn sie den Körper verlässt, ebenso wenig wie der Werkmeister, wenn er das Werkzeug aus der Hand legt, oder der Bewohner des Hauses, wenn er das Haus verlässt175). Dies gilt nach ihm nicht bloss von der vernünftigen Seele, sondern auch von der animalischen, wie sich aus einer anderen Stelle ergiebt, wo er äussert, dass ebenso wenig wie die Ursache mit der Wirkung, das Feuer nicht etwa mit dem Schwinden des Rauches aufhört, auch die Seele nicht, welche Ursache des Lebens ist, mit dem Aufhören der Wirkung schwindet176). Dieser Gedanke wird dann noch genauer präcisirt durch die Bemerkung, dass die Seele nicht etwa das Leben selbst ist, sondern Ursache des Lebens, folglich braucht auch die Seele, welche das Leben mittheilt, nicht aufzuhören mit dem Erlöschen des Lebens im lebendigen Wesen177). Nun aber erhebt sich die Frage, wenn auch die animalische Seele nach der Trennung vom Körper fortdauert, warum nicht auch die Seele des Thieres? Wollte aber Jemand in der That diese Consequenz ziehen, so würde sich die Frage aufdrängen, worin denn der Unterschied zwischen der Seele des Menschen und der des Thieres bestehe. Ibn Saddik meint zunächst, dass die menschliche Seele von der thierischen sich schon dadurch unterscheide, dass die Thiere nicht um ihrer selbst willen da seien, der Mensch aber 175) Mikr., s. 32: והפועל כשיעזוב בלי אומנתו לא ישיגהו חסרון בעצמו אבל ההפסד והחסרון ישיג הבלי או בשובן בתוך הבית כשיצא מהב״ת חסר הבית ונשאר השוכן כמו שהיה, vgl. s. 75, z. 7. 176) Mikr., s. 31: ולא תחשיב שאם יתבטל העלול שתתבטל בבטולו העלה באשר לא יתבטל האש בבטול העשן שהוא עלול מן האש. 177) Mikr. das.: והתבאר שהנפש אינה החיות אבל היא סבת החיות ומפני זה בשתפסד החיות בחי אינה ראוי להפסד הנפש הנותנת החיות. Dies widerspricht der bekannten Anschauung der Aristoteliker und stimmt mit der Anschauung Plotin’s überein, nach welcher die rationale Seele bei ihrer Trennung vom Körper von der niederen begleitet werde, vgl. Enn. I, 1. 10.