Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 22)
- Language
- German
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die Seele aber umfasst mit ihrer Erkenntniss das Ferne und Nahe in gleicher Weise58). Schliesslich ist es eine Eigenthümlichkeit des Körpers, dass entgegengesetzte Accidenzen an ihm nicht zu gleicher Zeit, sondern nur successive auftreten können, die Seele hingegen weist die auffallende Erscheinung auf, dass sie entgegengesetzte Accidenzen, wie gut und böse, Recht und Unrecht zu gleicher Zeit in sich zu vereinigen vermag59). 56) Mikr. das.:אלו היתד. הנפש גוף לא היה מגיע פעולת׳ אלא לקרוב ממנה כמו שהגוף לא יניע פעולתו לרחוק ממנו אבל הנפש החכמה יגיע מדעה לקצוי השמים ולאפסי ארץ ברגע אחד. Dieser Beweis hängt vielleicht zusammen mit der Interpretation von Aristoteles, de anima 426 b 15: fl xat oflXov '0x1 fl odpc ob/ sau 0־ iay^axov aiadfliflpiov* avcqp.fl ydp flv aicxop-svov aöxou xptvsiv xo zptvov, welche Stelle Philoponus im Commentar zu diesem Buche (Ausgabe der Berl. Akad., S. 479) auf den Gemeinsinn bezieht und als ferneren Beweis auffasst, dass der Gemeinsinn kein Körper sei, weil er auch ohne Berührung erkennt, xav *(dp aaip.« a7uxop.svov op«, wie Philoponus bemerkt, vgl. auch folgende Bemerkung. Hingegen ist der Beweis von j. Israeli, ספר יסודות, ed. Fried; s. 13: והג׳ שאנחנו מוצאים פועל הנפש עובר מגופה. אל הדברים הרחוקים ממנה ובר nur scheinbar mit unserer Stelle gleichen Inhalts, 59; Mikr. das.: ועוד שהנוף אינו נושא מאורעיו בבת אחת אבל נושא אותם בזה אחר זה במו השחור שהוא בא אחר הלבן והחום אחר הקור אבל הנפש החכמה נושאת המקדים ההפכים בבת אחת כמו הטוב והרע והיושר והחמס שהנפש נושאה אותם בבת אחת. Der Beweis scheint auf einem Missverständniss zu beruhen und lässt sich vielleicht nur richtig verstehen, wenn man auf die Quelle eingeht. Als Beweis für die Unkörperlichkeit der Seele beruft sich Philoponus a. a. O., S. 12 unter Anderem auf die Ausführungen des Aristoteles über den Gemeinsinn, in welchem die verschiedenen Sinne wie in einem Centrum zusammenlaufen und der, um die Gegensätze und Verschiedenheiten zu erkennen und mit einander zu vergleichen, eine untheilbare Einheit sein müsse, weil, wenn die Erkenntniss des Verschiedenen auf verschiedene Theile fiele, eine Vergleichung nicht zu Stande käme. Was aber die Gegensätze in einem einzigen untheilbaren Act, gleichsam in einem Punkt, erkennt, kann nicht körperlich sein, weil es der Natur des Körpers widerspricht, entgegengesetzte Accidenzen zu gleicher Zeit zu tragen: ouosv, <p7]3׳v (nämlich Arist.) otopa ev x«p aoxcp ypbvw zaxa xo «bxb piopiov xwv evavTtcuv dvxiA.flicxixöv, 0 ך dp 0«zxüA.0; 0׳j ouvaxat xax« xbv auxbv ypbvov 67.0; xat Xsuxoo xat piXavo; p.sx«K«ßs1v, oobs Q-spu.cttvexo.t zaxa xabxb xat 66ysxat. fl 02 atsfrfloi; ap.« sv xto c׳uxtp ypovt» xdi)v £vavx»(0v dvxtXap.ßdvexat. Ist nun der Sinn, meint Philoponus, etwas Unkörperliches, um wievielmehr die höheren Erkenntnisvermögen. Wir erwähnen hier schon im Voraus auch den zweiten Beweis, den Philoponus aus der Thatsache entnimmt, dass die späteren Eindrücke die früheren nicht verwischen, woraus zu schliessen sei, dass die Phantasie unkörperlich sei, vgl. Plotin IV, 7. 6. Es ergiebt sich nun aus der angeführten Stelle der ursprüngliche Sinn des Beweises, es handelt sich um ein Erkennen von Gegensätzen, während Ibn Saddik von Gegensätzen als verschiedenen Eigenschaften der Seele redet, wie aus der Wahl der Beispiele hervorgeht. Dies aber, dass die Seele zu gleicher Zeit und in derselben Beziehung zugleich gerecht und ungerecht sein könne, wird man mit Recht bestreiten. Meint