Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
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2. Kapitel. Der Mensch ein Mikrokosmos. Wichtigkeit der Psychologie. Die Existenz der Seele, ihre Immatetfalität und Substantialität. Ibn Saddik macht die Selbsterkenntniss zum Schlüssel und Ausgangspunkt der Welterkenntniss, insofern der Mensch in seiner Eigenschaft als Mikrokosmos, als ein Spiegel des Universums, durch die Betrachtung seines Körpers die sinnliche, durch die Betrachtung seiner Seele die inteüigible Welt zu erkennen vermag41). Dieser Gedanke wird von Ibn Saddik sehr weitläufig ausgesponnen, so dass wir uns auf die Wiedergabe der wichtigsten Punkte beschränken müssen. Die Anschauung vom Mikrokosmos ist nach Ibn Saddik in dem Schriftworte, dass der Mensch als Ebenbild geschaffen wurde, ausgesprochen, das Ibn Saddik in dem Sinne, dass der Mensch ein Gleichniss des Weltalls sei, deutet.42) Gott habe demnach bei der Schöpfung des Menschen in ähnlicher Weise verfahren, wie Jemand, der seinem Sohne einen Palast erbaut, denselben mit allem Nöihigen ausstattet und dann seinem Sohne sagt, dass er den Palast nicht zu verlassen brauche, weil er in demselben Alles vorfinde, was zur Befriedigung seiner Bedürfnisse erforderlich sei43). Ebenso habe der Mensch es nicht nöthig, aus sich selbst herauszutreten, da er in sich selbst Alles vorfinde, was ihm die Erkenniss der Welt erschliesse. In der näheren Begründung dieses Gedankens führt Ibn Saddik aus, dass der menschliche Körper die Natur der anorganischen und organischen Körper in sich vereinige, insofern er aus denselben Grundstoffen wie die ersteren zusammengesetzt sei und mit den letzteren die Funktionen des vegetativen und animalischen Lebens gemeinsam habe, gleich ihnen entstehe und vergehe und allen ־») Mikr., s. 2:ושמתי כוונתי לבאד ידיעת האדם אמתת עצמו לפי שמידיעתו לעצמו ידע הבל ומי שידע עצמו אפשר שידע את זולתו ומי שלא ידע עצמו כ״ש שלא ידע זולתו ומל בן נקרא האדם_עולם קטן לפי שיש בו דמות לכל מה שבעולם גופו במעלת העולם הנשמי ונפשו החכמה במעלת העולם הרוחאני, vgl. das Buch der Definitionen von Isaak Israeli in der Festschrift zum 80. Geburtstage Steinschneiders, hebr. Theil, s. 133: בי האדם כשיכיר נפשו בהברה אמתית ברוחוניותיה וגשמניותיה מחזיק בהכרת הבל ר״ל בהכרת העצם הרוחני והעצם הנושמני und oben s. 129, a. 110. 4י) s. 42:ומל בן נברא האדם בצלם שלם ר״ל שיש בו מכל מה שברא הבורא ית׳ ומל כן נקרא עולם קטן. Ibn Saddik scheint sich zu beziehen auf Gen. 9, 6: כי בצלם אלקים עשה את האדם, wo Manche das Wort בצלם vom Folgenden trennten, vgl. Machzor Vitry, ed. Horovitz, Berlin 1893 II, S. 514: אית מחרר ארי בצלמא ה׳ מבד ולא בצלמא די״י. 43) Mikr. das;: ורומה לאדם שבונה בית לבנו ושם בתוכו מכל מה שבעולם ואמר לו אין לך צורך לצאת מן הבית לשום דבר שהרי תמצא בו מכל מחסורך, vgi. Einleitung zum Mikr., S. XII, A. 53.