Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
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159 Saddik’s im dritten Abschnitt führen zumeist in den Gedankenkreis der Neuplatoniker31). Auch die Darlegung, in welcher Weise die Menschen dazu gelangten, Gott gewisse Attribute beizulegen, bedeutet keinen Anschluss an den Kalam im Gegensatz zu den Philosophen32). Hingegen tritt im vierten Abschnitt, der hauptsächlich ethischen Inhalts ist, wiederum der Einfluss des Kalam in augenfälliger Weise hervor33). Die Gebote wurden in Vernunft־ und Offenbarungsgebote ein־ getheilt, und das Wesen von Verdienst und Schuld nach der Weise des Kalam aufgefasst. In der natürlichen Vernunft ist die Verpflichtung zum Danke gegen Gott begründet, und die Undankbarkeit ist gleich־ bedeutend mit dem Unglauben34). Auf die Frage nach dem Zweck der Gebote, antwortet Ibn Saddik, dass sie mit der anderen Frage, wozu Gott die Menschen geschaffen habe, Zusammenhänge. Es wird nachgewiesen, dass die Menschen zu ihrem Wohle geschaffen wurden, wobei sich Ibn Saddik des Satzes bedient, dass Gott nicht Unrecht thun könne, wofür er die im Kalam üblichen Gründe geltend macht35), woraus dann weiter folgt, dass auch die Gebote das Heil der Menschen j. Barceioni, s.78: שההעושה חילוף מן המעשה וכר כבו שהכותב חילוף הכתב וכהובן הכינה חילוף בניינו, zu לא עצם ולא מקרה vgl. Lautere s. 354. 81) So vergleiche besonders zu dem Abschnitte über die Bedürfnisslosigkeit Gottes das Buch de causis, S. 98: jSM *Lüül, womit Mikr., s. 52, z. 23: שהקדמון אינו מצטרך לדבר מן הדברים ושהוא עשיר בעצמי übereinstimmt, vgl. Kaufmann 30h A. 136. Was die Ausführung des Gedankens im Einzelnen betrifft, so scheint mir gleich im Anfang die Auffassung Kaufmann’s, S. 299: »Es müsste denn eine formale Ursache Gottes geben u. s. w.a, nicht richtig. Warum gerade formale Ursache? Eher käme die bewegende Ursache in Betracht. Mit S. 52, Z. 14: ואם ברא, beginnt ein neuer Grund, nicht wie Kaufmann 301 übersetzt »Es müsste nämlich u.s.w.“ S. 52 Z. 22 ist selbstverständlich die LA. אי שיהיה זולתו היא richtig und die von Kaufmann im Texte wiedergegebene Auffassung der Stelle nicht richiig. 32) Vgi: Mikr. s. 57, z.24:וקראוהו חכם וכו שאם יפול בו סכלות יהיו פעולותיו בלי מתוקנות und Mew. S. 44, wo die Mutakallimun das Attribut der Weisheit in dieser Weise begründen, während die Philosophen von einem anderen Grunde ausgehen. Gleichwohl bedeutet das noch keine bewusste Anlehnung an die Mutakallimun, denn man könnte sagen, Ibn Saddik spreche davon, wie die Menschen auf natürlichem Wege zu gewissen Attributen gelangen, und nicht davon, wie diese sich in schulmässiger Weise begründen lassen. Allerdings, was über das Attribut der Gerechtigkeit gesagt wird, erinnert an den Kalam, worüber weiter unten. 33) Vgl. zum Folgenden Schreiner, Der Kalam in der jüdischen Litteratur, S. 27 ff. 34) Mikr. S. 60, Emunot S. 58 ff. 35) Mikr. S. 62 (vgl. S. 57) und Emunot S. 98.