Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
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157 Dass aber die Accidenzen geschaffen sind, geht daraus hervor, dass sie auf einander folgen, auf die Bewegung folgt Ruhe, wie auf diese jene folgt, ebenso ist der Körper entweder getrennt oder verbunden28). Diese Zustände aber sind geschaffen, mithin auch die Substanz, an der sie haften. Was soll der Satz: כי כל מחובר ל מחודשים Neues enthalten? Dass man es aber nicht mit einer blossen Nachlässigkeit in der Darstellung zu thun hat, geht nicht bloss daraus hervor, dass uns dieser Satz auch sonst in Verbindung mit diesem Beweise begegnet — vgl. die verschiedenen Parallelen bei Kaufmann, S. 281, A. 87 —, sondern Averroes, Theologie und Philosophie, S. 30, sagt ausdrücklich, dass unser Beweis auf drei Prämissen beruht, auf der Prämisse, dass die Substanzen nicht ohne die Accidenzen sind, dass zweitens alle Accidenzen hervorgebracht, dass drittens, was vom Hervorgebrachten nicht frei ist, selbst hervorgebracht ist. Was soll man aber von einem Beweis denken, der auf drei von einander unabhängigen Prämissen beruht? Die Vermuthung, die wir nun aussprechen möchten, geht dahin, dass es sich thatsächlich um zwei verschiedene Beweise handelt, die in den späteren Darstellungen des Kalam aus Missverständniss zusammengetragen wurden, trotzdem sie sich nicht zusammenreimen lassen. Der erste Beweis beruht auf zwei Prämissen, dass erstens die Substanzen der beiden nicht entrathen können und dass zweitens diese geworden sind. Die zweite Prämisse ist anfechtbar, denn es kann Jemand einwenden: gewiss sind die einzelnen Accidenzen nicht ewig, aber die Gattung der Accidenzen könne doch ewig sein, so dass also die Welt, als eine Substanz betrachtet, ewig sein könnte und ebenso die an ihr wechselnden Accidenzen. Derjenige also, der diesen Beweis führt, muss, um diesem Einwand zu begegnen, nachweisen, dass nicht bloss die einzelnen Accidenzen, sondern die Accidenzen überhaupt und ihr Wechsel nicht von Ewigkeit her sind. Bei dem zweiten Beweise handelt es sich um etwas ganz Anderes. Wir können von jedem beliebigen Zeitpunkt ausgehen, und wir schliessen einfach daraus, dass wir eine Veränderung wahrnehmen, dass die Substanz nicht ewig ist, denn was sich verändert, ist nicht ewig, ewig ist nur, was sich beständig gleich bleibt. In dieser einfachen Form tritt uns der Beweis für die Erschaffenheit der Welt bei den Lauteren hervor, vgl. S. 533, wo es nach einer längeren Auseinandersetzung über die verschiedenen Arten der Bewegung heisst: Zweck der ganzen Darlegung sei die Erschaffenheit der Welt zu beweisen; denn die verschiedenen Bewegungen weisen hin auf einen Wechsel der Zustände des sich Bewegenden, was sich aber verändert, sei nicht ewig. Für die Genesis dieser Ansicht ist auch der Zusatz beachtenswerth. Diejenigen, welche die Ewigkeit der Weit behaupten, glauben, dass die Welt ruhe und sich nicht verändere, so aber verhalte es sich wirklich nicht. Man sieht also, dass die Araber glaubten, die Frage, ob die Welt ewig sei oder nicht, hängt damit zusammen, ob man mit den Eleaten die Bewegung leugne oder nicht, und in diesem Zusammenhänge ist die Behauptung: כי כל מחוכר למחודשים zu verstehen. Es handelt sich vielleicht um einen Fehlschluss. Man glaubte, dass ebenso wie aus der Leugnung der Bewegung die Ewigkeit, so aus der Annahme der Bewegung das Entstandensein der Welt folge, was aber keineswegs der Fall ist. 58) Mikr,, s. 49: ובן לא יסבור שיהיה הנוף כי אם ממשש קצתו לקצתו או שיהיה מפורד חלק מחלק, Auch die Lauteren zählen, S. 197, Bewegung und Ruhe, Ver-