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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1906-01-01 · 1906 · p. Seite 155

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1906
Date
1906-01-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 und dass lebend, nicht durch Leben, ein Widerspruch sei23). Scheinbar verständlich, aber völlig unbegreiflich, wenn man sich vorhält, gegen wen derselbe gerichtet ist, ist der Einwand, den Ibn Saddik an letzter Stelle geltend macht24). Um so charakteristischer ist es daher für den Standpunkt Ibn Saddik’s, dass er trotz seiner Gegnerschaft gegen den Kalam doch in vielen Punkten wieder demselben folgt. Dies gilt zunächst auf 2:!) Warum die Aussagen lebend und nicht durch Leben nicht nebeneinander bestehen können, wird nicht gesagt; gemeint ist offenbar dasselbe, was bei Frankl a. a. 0., S. 54, die Sifatija gegen die Leugner der Attribute einwenden: בי לא עבר שיהיה ית״ש יודע לא בידיעה היה יתכן עליכם; d. h. wenn es möglich wäre, dass Gott wisse nicht durch Wissen, müsste es auch bei den Menschen möglich sein (nicht wie Frankl, S. 29: היל! יתכן עליכם übersetzt, dann wären die Gegner im Rechte). Es ist die bekannte Schlussfolgerung vom Sinnlichen aufs Uebersinnliche, deren sich die ,As'arijja bedienen, Mew. S. 31. Kaufmann a. a. O., S. 270, A. 50, meint, dass auch die dunkle Stelle Cusari V, 18: וחוא חי בחיות עצמותו לא קנויה ובן יבול ביבלתו וחפץ בחפצו בי מן השקר מצוא דבר וסותרו יחד ולא יאמר עליו יכול ביכולת סתם einen ähnlichen Sinn enthalte, wie unsere Stelle. Allein, abgesehen davon, dass sich Kaufmann nicht darüber klar zu sein scheint, warum Ibn Saddik einen Widerspruch in der Aussage יבול לא ביכולת findet, sind nach seiner Auffassung die Worte ולא יאמר עליו יכול ביכולת סתם durchaus dunkel wie zuvor. Es ist merkwürdig, dass die Erklärer über den einfachen Sinn der Stelle hinweggegangen sind. Cusari führt die Ansicht an, dass die Attribute mit dem Wesen Gottes identisch sei. Dieser Ansicht steht die andere gegenüber, welche zwischen Attribute und Wesen unterscheidet. Nun aber könnte Jemand auf den Gedanken kommen zu behaupten, dass die Attribute mit dem Wesen zugleich identisch und nichtidentisch seien, oder dass sie weder identisch, noch nichtidentisch seien. Das Erstere verstösst gegen den Satz des Widerspruches, das Zweite gegen den Satz vom ausgeschlossenen Dritten. Und eben um die Zurückweisung einer dieser beiden letzten Ansichten oder gar um beide handelt es sich bei den Worten: ,כי מן חשקר ובו. Dass solche Ansichten existirten und ,Al ’Ascari Aehnliches behauptete, geht hervor aus Moreh I, 51 und Sahr S. 67. 24) Es müssen, sagt Ibn Saddik, jene Attribute, welche nach der Ansicht der Gegner nicht in einem Substrate sind, entweder für sich bestehen oder in einem Anderen. Im ersteren Falle erwirbt Gott die Weisheit und das Leben von ewigen Substanzen, und diesen kommt die Vollkommenheit eher zu als Gott; im letzteren Falle sind sie Accidenzen von Substanzen, die ihm diese Attribute verschafft haben: יהיו אז מקרים לעצמים שהקנו אותו [נ״א אותם] המדות האלו. Auch mit der LA. אותם lässt sich zur Noth ein Sinn gewinnen, und Kaufmann, der, wie es scheint, bloss diese LA. vor sich hatte, erklärt danach. Aber dies ist etwas Nebensächliches, es drängt sich eine Schwierigkeit auf, die gar nicht zu übersehen ist Der Einwand, den Ibn Saddik erhebt, wird ja gewöhnlich gegen die Sifatijja von den Mutazila erhoben, während er von Ibn Saddik gegen die Mutazila gerichtet wird, gegen die er gar keinen Sinn giebt. Man könnte vielleicht * daran denken, dass in der Ueberschrift ein Fehler und zu ergänzen sei: ולבטל סברת חאומרים חי בחיות וכף, aber es bleibt auch dann noch sehr Vieles dunkel, so dass wir lieber auf jede Erklärung verzichten.

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