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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1906-01-01 · 1906 · p. Seite 154

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1906
Date
1906-01-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 Argumente, die Ibn Saddik gegen diese Ansicht vorbringt, sind zum Theil den Mutakallimun entlehnt. Dahin gehört die Bemerkung dass man mit demselben Rechte Gott Körperlichkeit beilegen könnte22), sind folgende Worte: ויושג בעצם מצד אחד ובטלו חמדות מכל מכל, was nach Kaufmann bedeuten soll, dass sie ״auf der einen Seite für Leugner der Attribute gelten wollen und gelten“, während sie auf der anderen ״theilweise eine Erkenntniss Gottes behaupten, indem sie sich zu Aussagen über sein Wesen verstehen.“ Diese Worte selbst haben einen sehr unklaren Sinn, ebenso befriedigt nicht ganz die Erklärung Brüll's, Jahrbücher IV, S. 146, wonach die Mutakallimun Gott ״Prädikat und Subjekt“ zugleich sein lassen. Gott wird also in jeder Aussage, die man von ihm macht, ״als Wesen begriffen und Attribute existieren nicht“. Diese Erklärung könnte vielleicht richtig sein in Bezug auf ויושג בעצם מצל אחד. Da Gott mit den Eigenschäften identificirt wird, so wird ja eine Erkenntniss seines Wesens angenommen, während doch Alle darin übereinstimmen, dass das Wesen Gottes unerkennbar sei. Der Rest aber giebt keinen guten Sinn. Wir möchten mit grossem Vorbehalt die Vermuthung aussprechen, dass es sich hier um eine ganz bestimmte Lehre der Mutazila, betreffend die Attribute, handelt, nämlich um die Ansicht Abu Hasim's, welcher zwar keine Attribute, wohl aber Zustände in Gott annimmt, die für sich nicht erkannt werden, sondern nur in Verbindung mit dem Wesen, vgl. Sahr., S. 56 (H. I, S.83). Gott erkennt demnach zwar nicht durch das Wissen, gleichwohl ■ist das Wissen nicht identisch mit dem Wesen. Dieser Ansicht war auch Abu Jakob, bei welchem die Zustände durch ר1ו$$רים, die Attribute [iio] durch ם0ורים wiedergegeben werden, und zwar bemerkt derselbe, dass man gegen diese Ansicht dieselben Einwände erhob, die gegen die Anhänger der Attribute erhoben wurden, vgl. Frankl, ein mutazilitischer Kalam, S. 28 u. 53. Wie nun der arabische Text bei Ibn Saddik gelautet haben mag, wissen wir nicht, die fraglichen Worte aber bedeuten vielleicht so viel wie: sie machen Gott zu einem תואר und מתואר und zwar werden die Zustände nur mit dem Wesen erkannt, für sich nicht, Attribute aber im eigentlichen Sinne giebt es überhaupt nicht. Aber auch diese Erklärung scheint uns recht zweifelhaft. Was die Ansicht Abu Haäim’s selbst betrifft, so haben wir Monatsschrift 1904, S. 554 seine Abhängigkeit vom Sophisten Plato’s nachzuweisen versucht. Hier möchten wir noch hinzuftigen, dass auch Chajjat aus dieser Quelle geschöpft hat. Seine Ansicht Sahr. 53 211 vergleichen mit Sophist, S. 244. 22) Wird nämlich Gott Leben beigelegt, weil kein Thätiges wahrgenommen wird, das nicht lebend sei, so kennen wir ja auch aus der Erfahrung kein Thätiges, das nicht ein Körper sei. Wird die Körperlichkeit von Gott ferngehalten, weil ,alles Körperliche zusammengesetzt und als solches entstanden sein muss, so gilt das auch vom Leben. Sagt man aber, Gott sei lebend, aber nicht wie anderes Lebende, so könnte man ja auch sagen, er sei ein Körper, nicht wie die anderen Körper. Ganz so argumentirt Hisam Ibn Al-Hakam bei Sahr., S. 142 (H. I, S.214), aber nicht im Dienste der Orthodoxie, wie es bei Kaufmann a. a.O., S. 268, A. 47, heisst, denn Hisam gehörte zu den Mugassima, wie auch thatsächlich nach den Lauteren, S. 382, die Anhänger der Körperlichkeit Gottes zu ihrer Ansicht gelangten durch den Schluss, dass ein Thätiges nicht wahrgenommen wird, es sei denn ein Körper. Wie Ibn Hazm die Einwürfe HiSam’s widerlegt, darüber vgl. Goldziher, Die Zahiriten, S. 142.

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