Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
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153 Bedenken gegen die ganze Vorstellung von einem Willen, der nicht in einem Substrat ist20). Aeusserst dunkel und schwierig ist die Polemik Ibn Saddik’s gegen die Lehre, dass Gott lebend sei nicht durch Leben, mächtig nicht durch Macht, wissend nicht durch Wissen21). Auch die 20) Ist nämlich der Wille nicht in einem Substrat, dann muss er entweder mit Gott identisch sein — eine Ansicht, die thatsächlich von Dirar (Mew. S. 60) vertreten wurde — in welchem Falle entweder das Entstandensein des Willens oder die Ewigkeit Gottes aufgegeben werden muss, oder er ist nicht mit Gott identisch, dann muss er entweder für sich bestehen oder in einem Anderen. Im ersteren Falle ist er eine Substanz und kann als solche eines Accidenz nicht entrathen, haben wir aber Substanz und Accidenz, dann bleibt ja nichts mehr zu schaffen übrig; im letzteren Falle ist er Accidenz in einer Substanz und es ergiebt sich dieselbe Schwierigkeit. Dass die Annahme eines Accidenz ohne Träger ungereimt sei, wurde auch Gubbai von seinen Gegnern vorgeworfen, Mew. S. 59, Ahron ben Elia Es Chajjim, S. 94, Kaufmann a. a. 0., S. 265, beweist die Selbstständigkeit des Verfassers durch einen Vergleich mit Ahron ben Elia. Während dieser den Einwand so formuliert, dass unter der Voraussetzung, der Wille bestehe ohne Träger, ein Accidenz für sich bestehen könnte, meint Josef, dass wir dann eine Substanz hätten, die ihr Accidenz haben müsste, also die Welt. Der Vergleich ist schief, da beide von der Voraussetzung ausgehen, dass ein Accidenz ohne Träger nicht bestehen könne. Nur hinsichtlich der ConSequenz, die sich ergiebt, wenn der Wille in einem Träger bestehen sollte, weichen sie von einander ab. Ahron ben Elia meint, der Wille gehöre dann dem Substrat, nicht Gott; der Verfasser hingegen sagt, wir hätten dann Substanz und Accidenz, mithin die Welt. Im Uebrigen fühlte sich Gubbai durch den Vorwurf keineswegs getroffen, denn er nahm thatsächlich nach Sahr., S. 54, Accidenzen an oder etwas, was einem Accidenz entspricht, das nicht in einem Träger ist, ebenso wie er Substanzen annahm, die nicht im Raume sind, was soviel heissen soll, dass er sich zur platonischen Ideenlehre bekannte. Dass Accidenzen, die nicht in einem Substrat sind, ein Widersinn sind, das wusste er selbst, und darum fügte er hinzu, dass sie bloss Accidenzen entsprechen. Da Ibn Saddik selbst, S. 1, von סקרים הכללים והפרטים redet, so ist in seinem Munde der Vorwurf gegen Gubbai nicht ganz gerechtfertigt. Ibn Saddik’s eigene Ansicht über den Willen s. Mikr., S. 54. Zu den Worten: התחייב קדמות העולם לקדמות חפצו vergleicht Kauf®., S. 303, a. 142, mit Unrecht Josef Al-Basir וכי [seil. יאם יהיה לנפש [יתאוה, da dort von צורך die Rede ist und dieses Argument Ibn Saddik selbst erwähnt hat. 21) Es bietet dieser Abschnitt ganz besondere Schwierigkeiten, die von Kaufmann nicht genügend berücksichtigt wurden. Es muss vor Allem festgestellt werden, gegen welche Ansicht Ibn Saddik polemisirt. Scheinbar gegen die Ansicht der Mutazila, dass Gott lebend, mächtig, wissend sei durch sein Wesen. Was bedeuten dann die Worte: ששטים אותו טספר וטסופר? Kaufmann a. a. O., S. 267, A. 44, verweist auf Theol. und Phil., S. 53. Allein dort ist die Rede von den ’As‘arijja, welche gerade die entgegengesetzte Ansicht vertreten, dass Gott wissend sei durch Wissen u. s. w. Von ihnen kann man mit Recht behaupten, dass sie Gott zu einer Qualifikation und einem Qualifizierten machen, nicht aber von ihren Gegnern, die doch gerade diesem Uebelstand ausweichen wollten. Ebenso schwierig