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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1906-01-01 · 1906 · p. Seite 152

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1906
Date
1906-01-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 Einzelnen widerlegt er mehrere Ansichten derselben. Sehr eingehend bekämpft er ihre Lehre von der Seele, worauf wir jedoch hier nicht eingehen können. Ebenso ausführlich behandelt er die Lehre, dass Gott durch einen geschaffenen Willen schaffe18). Die Gründe, mit denen er diese Ansicht bekämpft, sind zum grossen Theil nicht neu und wurden früher bereits von kalamistischen Gegnern derselben vorgebracht. Dahin gehört der Einwand, dass diese Annahme zu einem regressus in infinitum führen müsse, wenn nämlich der Wille selbst durch einen anderen Willen erschaffen wurde19), ferner das dieser Charakteristik weiter angefügt wird. Zu den Eigenheiten dieser Leute gehört es auch, dass sie die Grammatik oder, was wohl richtiger sein dürfte, die gelehrte Bildung überhaupt gering achten (JiU Es wird nun gerade von Epikur berichtet, dass er alle Bildung, die nicht zu einem richtigen praktischen Verhalten anleitet, wie Grammatik, Arithmetik, Astronomie u. s. w. gering schätzte, vgl. Zeller (3) 3, 1, S. 381. Es scheint demnach, dass die Lauteren gar nicht Philosophen ihrer Zeit schildern, sondern die alten Epikureer. Oder man müsste annehmen, dass die Mutakallimun so sklavisch ihren Vorbildern folgten, dass sie sich alle Eigenthümlichkeiten derselben aneigneten, auch wenn sie mit dem System gar nicht im Zusammenhang standen. 18) Die von Ibn Saddik bekämpfte Ansicht entspricht der Ansicht 6ubbai׳s, Sahr. S. 54 (H. I, S. 80). Auch die Karramijja nahmen einen geschaffenen Willen an, aber sie Hessen ihn in Gott subsistiren, zu welcher Annahme aber Gubbai sich nicht entschlossen wollte, um Gott nicht zum Träger von Accidenzen zu machen, Mewakif, S. 59. Es blieb noch die Möglichkeit übrig, den Willen in einem Träger ausser Gott bestehen zu lassen. Diese Ansicht aber fand nach Mewakif, S. 60, gar keine Vertreter, und zwar aus dem Grunde, weil dann der Wille dem Substrat und nicht Gott eignen würde. Für die Polemik Ibn Saddiks ist besonders zu bemerken, dass nach Sahr., S. 260 (H. 91), Empedokles die Ansicht von einem erschaffenen Willen besonders bekämpft. Hierbei sei kurz die Frage aufgeworfen, ob nicht der Wüle und die Verwerfung bei den Mutakallimun in irgend einer Be- Ziehung stehen mit den von Empedokles angenommenen Urprinzipien, Liebe und Hass. Es ist nicht recht klar, wie die Mutakallimun zur Annahme einer Verwerfung neben dem Willen gekommen sind. In den pseudo-empedokleischen Schriften nahm die Lehre vom Willen eine wichtige Stelle ein, wie aus Mikrokosmos, S. 54, sich ergibt, und es liegt nahe, dass der oder die Verfasser dieser Schriften an die bekannten echten Ansichten des Empedokles anknüpften. Nun ist allerdings zwischen Wille und Verwerfung in uns und Liebe und Hass in den Dingen ein grosser Unterschied, aber thatsächlich sind ja Liebe und Hass als bewegende Kräfte in den Dingen nur entstanden durch eine Uebertragung von Neigung und Abneigung in uns nach aussen. Dazu kommt, dass der Wille und die Verwerfung nicht in Gott selbst sein sollen, sondern draussen, dadurch rücken sie den beiden Prinzipien des Empedokles sehr nahe, sodass ein Zusammenhang immerhin mögHch und die Frage der Erwägung werth erscheint. 19) Dass dieser Einwand von den Anhängern der Ewigkeit des Willens geltend genjaeht wurde, ergiebt sich aus Mew., S. 59.

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