Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
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- 148 — andalusischen Juden sich den Philosophen angeschlossen haben, so sind nicht gerade die Aristoteliker gemeint. Dass jedoch auch die peripatetische Richtung bereits zur Zeit Ibn Saddik’s zahlreiche Anhänger hatte, das beweist nicht bloss das Beispiel des Aristotelikers Abraham Ibn Daud, der nicht lange nach Ibn Saddik schrieb, sondern auch die Thatsache, dass Jehuda Halewi in seinem Cusari einen Aristoteliker als Repräsentanten der Philosophie auftreten lässt. Ausser diesen beiden Richtungen hatte auch der Kalam seine Anhänger, und zwar waren es unter den Juden hauptsächlich die Karäer, unter denen derselbe Verbreitung fand. Sie schlossen sich den Mutaziliten an, während unter den Arabern die Richtung der ’As'arija die herrschende war, ja sogar, nach dem Zeugniss Ibn RoSd’s4), von eigenen Schriften der Mutazila nichts zu den Arabern in Spanien gekommen war. Dass nichts destoweniger die Ansichten der Mutazila nicht völlig unbekannt waren, das beweist die vertraute Bekanntschaft Batlajusi’s mit den verschiedensten Anschauungen derselben.5) Was nun das Verhältnis Ibn Saddik’s zu den genannten Riehtungen betrifft, so ist bereits bemerkt worden, dass Ibn Saddik zu den Neuplatonikern zu rechnen ist. Sein neuplatonischer Standpunkt kommt besonders im dritten und vierten Abschnitt des Mikrokosmos, welcher die Psychologie und Theologie enthält, zur Geltung. Der erste Abschnitt, welcher gleichsam ein Compendium der Physik ist, enthält hauptsächlich aristotelische Lehren6), was weiter nicht auffallend ist, da die Neuplatoniker in der Physik keine neuen Wege gingen. Höchstens könnte hervorgehoben werden, dass in der Annähme einer fünften Substanz für die Sphären Ibn Saddik von Plotin abweicht und mit Aristoteles übereinstimmt7). Hingegen muss 4) Theologie u. Phil., S. 40. 5) Vgl. Kaufmann, Die Spuren Al-Batlajusi’s, hebr. Text, S. 41 ff. 6) Vgl. beispielsweise die Lehre vom Werden und Vergehen, S. 14, Z. 12: הוית הדבר הוא משחתת לזולתו, und Arist., de generatione, S. 318 b 34, ferner die Erklärung S. 15, dass es keinen leeren Raum giebt, und dass trotzdem die Bewegung möglich sei, womit Laut. Brüder, S. 578, zu vergleichen ist, wo die Ausdrücke und sehr auffallend an das griechische ouBev und Bev erinnern. 7) Mikr., S. 10, vgl. Lautere Br., S. 314. Dass die Sphäre trotz ihrer besonderen Natur doch ein Körper sei, wird sowohl von Ibn Saddik (לא ימלט מהיותו גוף) als auch von den Lauteren Br. betont, S. 534: "3 pUXäSI JUc., woraus zu schliessen ist, dass diese Meinung doch nicht bei Allen feststand. Zu dem Ausdruck ורחוקה מכל הפגעים, S. 10, Z. 22, vgl.