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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1905-01-01 · 1905 · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1905
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721007--34-2725191
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34 wie in Berlin, Prag. Mancher Jünger der jüdischen Theologie besuchte die Universität, ohne sonderlich das Talmudstudium und die religiösen Gebote zu beachten. Reformbestrebungen machten sich geltend, zum Teil so ungestüm und radikal, dass sie die Auflösung des Judentums herbeizuführen geeignet gewesen wären. Einsichts־ volle wünschten die Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben, Erhaltung und Veredlung, Regeneration des Judentums aus und durch sich selbst, wie z. B. Frankel, Sachs s. A. Inzwischen war auch eine wissenschaftliche Behandlung und Durchforschung der hebräischen Literatur, des Lehrinhalts des Judentums, seines Werdeganges und seiner Wandlung im Wechsel der Zeiten angebahnt; nächst dem akademischen und Talmud-Studium war die Pflege der Bibelexegese, der Religionsphilosophie, der jüdischen Geschichte, Altertumskunde und Literatur erforderlich, ja das Talmudstudium selbst sollte eine andere Methode erfahren. Wo, unter wessen besonnener, von sicheren religiösen und wissenschaftlichen Grund- Sätzen ausgehender, zielbewusster Leitung sollte aber der Jünger der jüdischen Theologie die erwünschten Kenntnisse sich aneignen? Im Jahre 1853 schreibt Frankel in der von ihm herausgegebenen Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums: ״Die Lehrzimmer sind geschlossen, kein Lehrer öffnet sie: woher sollen die künftigen Rabbiner ihre theologische Bildung nehmen? Wird nicht daran gegangen, junge Rabbiner heranzubilden, welche Zukunft steht Israels Heiligtum bevor? ״Schöpfung des Seminars!״ so mahnt dringend der trostlose Zustand der Gegenwart, rufen mit Donnerstimme die Dahingeschiedenen, die an Glauben und Lehre ihr Leben setzten, um sie noch dem tausendsten Geschlecht zu überliefern, mahnt der in Feuerflammen gegebene Bund, durch den Israel für immer bestehen soll.״ Das Bedürfnis, eine Stätte für jüdische Theologie zu errichten, war aber schon früher lebhaft empfunden worden, nur die dazu erforderlichen Mittel schienen schwer erreichbar zu sein. Da entschloss sich der hochherzige, verewigte Kommerzienrat Jonas Fraenckel, testamentarisch eine Summe zur Begründung eines Lehrer- und Rabbiner-Seminars festzusetzen, und die materielle Schwierigkeit zur Errichtung der ersehnten Pflanzstätte war gehoben. Wie verhängnisvoll hätte jedoch diese Errichtung für die jüdischen Gemeinden Deutschlands werden können, wenn die Vollstrecker der letztwilligen Bestimmungen des edlen Stifters, die damaligen Herren Kuratoren L. Milch, J. Prinz und Sanitätsrat Dr. J. Levy s. A. in der Wahl eines Leiters für diese Anstalt sich vergriffen und die Führung derselben einem Unfähigen, Unwürdigen oder gar einem Vertreter einer extremen religiösen Richtung übertragen hätten!

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