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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1905-01-01 · 1905 · page 34

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1905
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721007--33-2725190
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53 Fraenckel folgte bekanntlichim Jahre 1743dersel. Mendelsohn als Jünger von Dessau nach Berlin, wo er namentlich durch den freundschaftliehen Verkehr mit Lessing Gelegenheit fand, seinen wissensdurstigen Geist vielseitig zu bilden und philosophische Abhandlungen in korrekter, deutscher Sprache zu veröffentlichen, worauf er als Weltweiser allgemein gefeiert wurde und aut seine Glaubensgenossen, die zum Teil ohnehin von der damals herrschenden Zeitbildung und Strömung ergriffen waren, vornehmlich durch die Veranstaltung einer korrekten deutschen Übersetzung der Thora samt einem einfachen Kommentar in klarer hebräischer Sprache anregend und erziehlich wirkte. Es bildete sich nun eine Richtung aus, deren Anhänger ״ מושלמיםvervollkommnete, gebildete“ genannt wurden die viel Gutes schuf, oft aber auch zur Verflachung des Geistes, der religiösen und sittlichen Auffassung, der Gesinnung führte. So mancher Jünger der Jeschiba huldigte dieser Richtung und beschäftigte sich neben dem ernsten Talmudstudium gleichsam zur Erholung mit der השלמה, oft nur heimlich. Je mehr und in je weiteren Kreisen aber das Bedürfnis nach einer vielseitigen Bildung empfunden und befriedigt wurde, je höher die Ansprüche wurden, die man an die Bildung stellte, um so mehr gingen die Jeschibot zurück. Es hörte allmählich die Vorstellung auf, dass es verdienstlieh und ehrenvoll sei, Schwiegereltern und Braut eines tüchtigen Talmudjüngers zu werden, es machte sich die Ansicht geltend, dass der Mann seine Familie zu ernähren habe, nicht aber, um dem halachischen Studium obliegen zu können, von seiner Frau oder deren Eltern, wenn auch nur für die ersten Jahre, sich ernähren lasse. Infolge der Aufhebung der jüdischen Gerichtsbarkeit erschien die Anstellung und Besoldung von ״ ,דיינים Rabbinatsbeisitzem“, seitens der Gemeinden weniger erforderlich; die talmudunkundigen Mitglieder der Gemeinde wünschten vom Rabbiner öfter eine Predigt, aber nicht etwa zwei Male im Jahre eine ״Derascha* zu hören, wenn sie auch zuweilen den geistvollen religiösen Homilien rhetorisch veranlagter Wanderprediger, מגידים, in sogenannter ״jüdisch-deutscher“ Mundart gern lauschten; die Talmudjünger fragten sich nun, welchem Ziele denn ihr unausgesetztes Studium sie eigentlich zuführen solle, und die Jeschibot lichteten sich in Deutschland, ja lösten sich auf zum tiefen Schmerz der vom Judentum durchdrungenen, begeisterten Frommen und Edlen, die da fühlten oder wussten, dass ohne Thora der Bestand des Judentums gefährdet sei. Mancher Talmudjünger entschloss sich, nach voraufgegangener, grösstenteils privater Vorbereitung eine Universität zu beziehen und nebenher für sich oder bei einem Rabbiner mit dem Talmud sich zu befassen, 3

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