Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Amoraim 1× ep/1003430
- Lod 1× ep/1045074
- Tiberias 1× ep/1048138
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27 letischen, ethischen, sanitären und historischen Inhalts bereichert wurde, und es entstanden somit in verschiedenen Schulen verschiedene, um die Mischna gruppierte Talmude. Von diesen Schulen kommt für Babylonien nächst der zu Sura vornehmlich die zu Pumbedita in Betracht, die R. Jehuda, ein Schüler von Rab und später von Mar Samuel, nach dem im Jahre 254 erfolgten Tode des letzteren errichtete und nahezu 800 Jahre bestand, bis um das Jahr 1040. Die Schule zu Nehardea aber trat, nachdem diese Stadt von Papa b. Nazor, von Odenath von Palmyra oder einem Verwandten von ihm, im Jahre 259 zerstört worden war, zurück. Für Palästina ist zunächst das Lehrhaus von Tiberias hervorzuheben, wohin der Patriarch nach dem Tode Rabbi’s seinen Sitz verlegt hatte und wo der hervorragende Amora R. Jochanan lehrte, alsdann Sepphoris und Caesarea und im Süden Lydda. Von diesen Talmuden besitzen wir den wohl in Tiberias nach 400 ’redigierten zu 38 Mischnatraktaten — während die Mischna nach üblicher Zählung 63 Traktate enthält, eigentlich nur 60 — in unvollständiger und sehr fehlerhafter Gestalt, den sogenannten ״jerusalemischen“ oder besser palästinensischen und den im Jahre 499, im Todesjahre des Rabina b. R. Huna, des letzten amoräischen Oberhauptes der Hochschule zu Sura, als endgültig abgeschlossen erachteten babylonischen zu 37 Traktaten. Zur ersten Ordnung der Mischna mit Ausnahme von Berachot, welche, bis auf den genannten Traktat zumeist die auf den Boden Palästinas sich beziehenden Gesetzesbestimmungen enthält, haben wir keinen babylonischen Talmud, zur fünften Ordnung dagegen keinen palästinensischen. Dem babylonischen Talmud liegt die von R. Aschi veranstaltete Redaktion zugrunde, der 60 Jahre das Lehrhaus in Sura geleitet haben soll, im höchsten Ansehen stand und 427 gestorben ist; einige Traktate in ihm dürften jedoch aus Pumbedita stammen. Die Redaktion des palästinensischen Talmud scheint ebenfalls nicht Einem Autor allein anzugehören. Die Redaktion des Talmud dürfte übrigens vielleicht nicht sowohl vom ריש מתיבתא, dem Leiter der Schule, herrühren, als vielmehr vom ליש כלה, gewissermassen dem Repetitor, der die im Lehrhause gepflogenen Diskussionen zusammenfasste, eben redigierte und einübte *). Von den palästinensischen Lehrhäusem erfahren wir nach Abschluss des palästinensischen Talmud fast nichts; von den babylonischen jedoch wissen wir zwar nur wenig, aber immerhin, dass sie nach dem Tode Rabinas weiter bestanden haben unter der Leitung namhaft gemachter Personen, die den Talmud bis auf Einzelnes nicht fortsetzten, sondern *) Cf. b. B. Batra 22 a (Pes. 105b).