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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1905-01-01 · 1905 · page 25

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1905
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721007--24-2725181
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24 die durch Herkommen und Sitte geheiligten und normierten Gebräuche enthielt, schriftlich aber damals nicht fixiert werden sollte, und nur mündlich von Geschlecht zu Geschlecht überliefert, tradiert wurde. Die sorgfältige Aneignung dieser mündlichen Lehre aber, ihre richtige Auffassung, Begründung und Ableitung aus der heiligen Schrift nach gewissen Interpretationsregeln und tieferem Eindringen in ihren Sinn forderten ein mühsames Studium, eine volle Hingebung, einen mit Ehrerbietung verbundenen Anschluss an den Meister, רב, und vertraulichen Verkehr mit Studiengefährten, חברים, und es erstand somit, zunächst wohl nur in grossen Städten, namentlich da, wo das Synhedrium seinen Sitz hatte, neben der Synagoge, בית הכנסת, auch ein בית המדרש, welcher Ausdruck sich bereits bei Sirach findet, oder בית תלמוד, בית הועד, ein Lehrhaus, in welchem die herangereiften Jünger in der Traditionslehre unterwiesen wurden. Die Traditionslehre zerfiel in Mischna, Midrasch und Talmud; Mischna, von ״ שנהwiederholen, auswendig lernen“, bezeichnet die in eine kurze Fassung gebrachte, formulierte Be- Stimmung der Halacha, des Gesetzes, wörtlich des ״Ganges“, der Führung, des durch Herkommen und Übung als Norm erachteten Gebrauchs; Midrasch, die Deutung, die Auslegung der heiligen Schrift in Gemässheit der Halacha, sowie in homiletischer Weise; und Talmud, die Erläuterung, Erörterung und Begründung der Mischna. Beim Talmud kam es natürlich auf die Bündigkeit der Auseinandersetzung weniger an und er wurde anfangs nicht wörtlieh memoriert. In verschiedenen Lehrhäusern wurden verschiedene, auch inhaltlich von einander abweichende Mischnasammlungen vorgetragen und veranstaltet. Vorgetragen wurde der Lehrstoff in der Synhedrialstätte vom Synhedrialpräsidenten, ״ נשיאFürst“ oder auch ״ ראש בית דיןHaupt des Gerichtshofes“ genannt, bezw. von dessen Vertreter dem אב בית דין oder auch vom ״ חכםdem Weisen“, in anderen Lehrhäusern natürlich vom חכם. Den Titel נשיא hat vielleicht, genau genommen, der Synhedrialpräsident erst nach der Zerstörung des zweiten Tempels geführt, als er zugleich, wie R. Gamliel II. in Jamnia, dem römischen Landpfleger gegenüber als Patriarch die politischen Angelegenheiten des jüdischen Gemeinwesens vertrat und verwaltete, indes man später diesen Titel auch auf die früheren Synhedrialpräsidenten übertrug. Nach dem Tode des R. Jehuda Hannasi, der allgemein mit dem Ehrennamen רבי bezeichnet wird, etwa 225 nach üblicher Zeitrechnung, scheint jedoch auf dessen letztwilligen Wunsch das Patriarchat von der Leitung des Lehrhauses getrennt worden zu sein, indem sein älterer

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