Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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23 Schulen befanden sich in den Bethallen der Synagogen oder in besonderen zu den Synagogen gehörigen Räumen; es gab aber ausserdem noch private Schulen in Privathäusern. Diese Einführung der Schulpflicht wird im palästinensischen Talmud dem energischen Synhedrialpräsidenten Simon ben Schetach zugeschrieben, der, ein Bruder der Königin Salome Alexandra, die von 79—70 vor der üblichen Zeitrechnung regierte, noch andere Verordnungen traf und das sadducäische Synhedrium stürzte; sie dürfte jedoch, einem anderen Berichte im babylonischen Talmud gemäss, erst im Laufe der Zeit zur allgemeinen Durchführung gelangt sein, um die sich der um das Jahr 64 nach der üblichen Zeitrechnung fungierende Hohepriester Josua ben Gamala besonders verdient gemacht haben soll. Eine jüngst vorgeschlagene Textänderung, in diesem Berichte anstatt Josua ben Gamala: Josua ben Perachja zu lesen, der Lehrer und Vorgänger des Simon ben Schetach war, ist geistvoll und beachtenswert, aber nicht gerade wahrscheinlich. Das Heiligste im Tempel zu Jerusalem war einst die heilige Lade, die die Bundestafeln samt den Thorarollen enthielt, und in der Synagoge befand sich ebenfalls eine Lade, die das Buch des Bundes und die anderen Schriften der Bibel barg; vor diese Lade trat der Vorbeter, wenn die gemeinsame Andacht verrichtet werden sollte, und aus ihren Schriften schöpften alt und jung Belehrung und religiöse Erkenntnis, und die Synagoge vertrat somit gewissermassen den heiligen Tempel. Und als dieser eingeäschert, Jerusalem zerstört und die politische Selbständigkeit Israels in seinem zwar mit Unbesonnenheit, aber immerhin mit Begeisterung geführten Verzweiflurigskampf gegen Rom für Freiheit und Vaterland vernichtet wurde, da hatte Israel bereits einen anderen Mittelpunkt für sein Gemeinwesen. Es war die Synagoge, in der es dann um so inbrünstiger betete und seine Kinder um so eifriger zur Pflege der Thora anhielt. Denn, wo die Thora mit religiöser Hingebung gepflegt und geübt wird, da thront die Herrlichkeit Gottes, da ist unser Zijon. Die wohl in allen ansehnlichen Ortschaften bestehenden Synagogen dienten also als Bet-, Belehrungs- und Erbauungsstätten für die Gemeinden und Schulen für die Kinder, in denen sie in der heiligen Schrift unterrichtet wurden. Es gab jedoch nächst der תורה שבכתב, der schriftlichen Lehre, noch eine תורה שבעל פה, eine mündliche, die die näheren Bestimmungen und Ausführungen der einzelnen Gesetze und Gebote der Thora, ihre Ausgestaltung im Laufe der Zeit, die von den סופרים, den Schriftgelehrten, dem hohen Gerichtshof, dem Synhedrium, ausgegangenen Verordnungen,