Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2721007--22-2725179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 Zentrale für die gesamte Judenheit, durch die sie geeint sein sollte, infolge von inneren Zwistigkeiten, ״unbegründeter Gehässigkeit“, wie es im Talmud heisst, ein Raub der Flammen wurde, waren in und ausserhalb von Palästina, ״ ,בתי מפיותVersammlungshäuser״, Synagogen erstanden, in denen täglich zur Zeit, in der man in Jerusalem das Opfer darzubringen pflegte, eine öffentliche Andacht veranstaltet und an Sabbaten, Fest- und Fasttagen, sowie am zweiten und fünften Tage der Woche, den Gerichtstagen, an denen die Landbevölkerung in die Städte zu kommen pflegte, ein Abschnitt aus der Thora, beziehungsweise auch aus den Propheten verlesen, verdolmetscht, in die gangbare aramäische öder auch griechische Sprache übertragen, und vielfach hinterher erläutert wurde. Diese Vorlesung, die ursprünglich den wesentlichsten Bestandteil des Gottesdienstes bildete, wurde von mehreren Mitgliedern der Gemeinde nach einander, wie sie vorgerufen wurden, vollzogen, wobei, da die Texte nicht vokalisiert sein durften, einerseits eine allgemeine Vertrautheit mit der Bibel vorausgesetzt, andererseits wieder herbeigeführt wurde, indem doch keiner öffentlich als bibelunkundig, als ungebildet erscheinen mochte und man jedenfalls darauf bedacht sein musste, den Kindern wenigstens die erforderliehen Kenntnisse angedeihen zu lassen. Dass in alter Zeit der zur Thora Aufgerufene selbst aus ihr las, dürfte bekannt sein. Allerdings wird bereits im palästinensischen Talmud von den לפוזות, den griechisch sprechenden Juden, berichtet, dass bei ihnen nur Einer den ganzen Thora-Abschnitt las. Es darf uns daher nicht befremden, wenn Josephus von den Juden dieser Zeit, wahrscheinlich aber etwas übertrieben, berichtet, dass, wen man auch von ihnen nach den Gesetzen fragen mag, er sie leichter als seinen Namen sagen werde, weil sie diese von ihrem frühesten Bewusstsein an lernten und sie somit gewissermassen in ihre Seele eingegraben haben. Ebenso heisst es in der Tosefta: ״Versteht das Kind zu sprechen, so lehre es sein Vater שמע und sonst die Thora und die hebräische Sprache“, entsprechend den Worten der Thora ״und du sollst sie, die Einheit Gottes und die Liebe zu ihm, einschärfen deinen Kindern“ und anderen Aussprüchen. Die Lehren und Unterweisungen des Vaters sind gewiss am wirksamsten und durften keineswegs unterbleiben, sie reichten aber in der Regel nicht hin, und so sah man sich veranlasst, was für diese Zeit viel besagen will, öffentliche Schulen CffiD בתי) auf Kosten der Gemeinden zu errichten, in die die Kinder vom siebenten oder schon vom sechsten Jahre an geschickt werden sollten, um den ersten und notwendigsten Unterricht in der Bibel zu empfangen. Diese