Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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21 höchste Sorgfalt und seine beste Kraft der Erteilung des Religions- Unterrichts zuwenden muss, so ist allmählich, wie noch zuletzt in Wien, der ursprünglichen Absicht und Einrichtung entgegen, die Überzeugung zum Durchbruch gelangt, dass eine Lehrerbildungsanstalt mit einer theologischen Pflanzstätte sich nicht vereinbaren lasse. Keinem, der sich dem Studium der jüdischen Theologie widmet, braucht diese Anstalt noch Gelegenheit zu bieten, sich in den Gymnasiallehrfächern für die Universitätsstudien vorzubilden, wohl aber sich die zur ordnungsmässigen Aufnahme erforderlichen hebräischen Vorkenntnisse anzueignen. Mit rabbinischem Wissen ausgestattete Jünger aus Oesterreich-Ungarn pflegen unsere Anstalt• nicht mehr zu beziehen, weil inzwischen Rabbiner-Seminare in Budapest und Wien erstanden. Um verschiedenen religiösen und wissenschaftlichen Bestrebungen zu genügen, sind inzwischen in Deutschland selbst noch zwei andere Lehranstalten für jüdische Theologie, bezw. für die •jüdische Wissenschaft, errichtet worden und zu unserer Freude wurden auch Rabbiner-Seminare in Florenz und New York eröffnet. Überdies haben sich inzwischen die Bedürfnisse und Ansprüche der jüdischen Gemeinden, der Umfang der jüdischen Literatur und ihre Behandlungsweise mannigfach verändert und solchen Veränderungen musste doch wohl unsere Anstalt Rechnung tragen. Wenn auch der ״Jobei“, das je fünfzigste Jahr im israelitischen Altertum, woher doch die Bezeichnung Jubiläum stammt, die Bestimmung hatte, die während der Dauer eines halben Jahrhunderts eingetretenen Veränderungen im Besitz- und Personenstände aufzuheben und die ursprünglichen Verhältnisse wieder von neuem herzustellen, so können keineswegs nach Ablauf von fünfzig Jahren die ursprünglichen Zustände an unserem Seminar wieder von neuem hergestelit werden und unsere heutige Jubelfeier gewährt uns nur einen geschichtlichen Rückblick, keine Zurückgestaltung. Eine Darstellung der Geschichte des Seminars haben wir jedoch zum Teil aus beredtem Munde eben gehört und enthält die von meinem verehrten Kollegen, Herrn Dr. Brann, herausgegebene Festschrift, und so sei es uns gestattet, einen oberflächlichen Rückblick auf das jüdische Lehrhaus überhaupt zu werfen. Lange bevor der nachexilische Tempel in Jerusalem, auf den die Blicke von ganz Israel bei der Andacht mit Ehrfurcht und in dem erhebenden Bewusstsein gewendet waren, Bekenner des wahren, lauteren Glaubens zu sein, des Einig-Einzigen, der in Zijon thront und allgegenwärtig ist, vorläufig nur von Israel angebetet wird, aber einst von allen Völkern des Erdenrundes anerkannt und verehrt werden wird, lange bevor dieses Heiligtum, die