Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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20 an das teure Vaterland zu erziehen. Sie aber bitte ich, das Gelöbnis zu bekräftigen, indem Sie freudigen Herzens einstimmen in den Ruf: Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser und König Wilhelm II. lebe hoch! Darauf hielt der Unterzeichnete folgende Festrede: Hochgeehrte Festversammlung! Als vor fünfzig Jahren das jüdisch-theologische Seminar hierselbst geräuschlos innerhalb eines kleinen Kreises der daran Beteiligten vom Kuratorium der Kommerzienrat Fraenckel’schen Stiftungen durch den Sanitätsrat Dr. J. Levy eröffnet und der Leitung meines, ja unseres hochverehrten seligen Lehrers, Dr. Z. Frankel, übergeben worden, da betrat dieser in freudiger Erregung den Lehrstuhl, den er der ihm liebgewordenen Kanzel der Synagoge zu Dresden vorgezogen, und pries zunächst den Herrn dafür, dass er diesen Tag erlebt hat; und wenn wir heute in zahlreicher Festversammlung die Jubelfeier dieser Anstalt begehen, wollen wir ebenfalls zunächst mit dankerfülltem Herzen Gott dafür preisen, dass wir diesen Tag erlebt haben. Damals galt der Dank der göttlichen Waltung dafür, dass in anscheinend zerrütteten und haltlosen Zeitverhältnissen auf dem Gebiete der jüdischen Religion und ihrer Wissenschaft die von Einsichtsvollen längst, aber ohne Aussicht auf Verwirklichung, ersehnte Lehrstätte für das Studium der jüdischen Theologie in Deutschland wider Erwarten durch die letztwilligen Anordnungen eines edel gesinnten, von Humanität durchdrungenen Sprösslings einer hochangesehenen Rabbinerfamilie auf sicherer Grundlage, auf dem festen Boden des positiven, historischen Judentums endlich errichtet wurde, und heute danken wir Gott dafür, dass diese Pflanzstätte ihrer Bestimmung getreu während eines halben Jahrhunderts in so mannigfacher Beziehung eine erspriessliche und segensreiche Tätigkeit entfaltet hat und durch diese segensreiche Tätigkeit, durch die Fülle der Früchte, die sie gezeitigt, nicht etwa aufgezehrt, entkräftet worden ist, sondern noch immer ihre Frische sich bewahrt hat, um mit Gottes Beistand ferner gedeihlich zu wirken. Freilich hat sie inzwischen so manche Änderung, manchen Wechsel erfahren. An Festtagen wird bei der üblichen Seelenfeier in der Seminar-Synagoge seit einer Reihe von Jahren bereits der Namen derer gedacht, die bei der Eröffnung als Lehrer und Verwalter zugegen waren. Obschon jetzt gerade der Rabbiner seine