Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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13 Am 27. Januar 1846 verstarb hierselbst der Kommerzienrat Jonas Fraenckel in hohem Lebensalter ohne Hinterlassung direkter Erben. Seine beiden Geschwister — ein Bruder und eine Schwester — waren vor ihm ohne Hinterlassung von Kindern verstorben. Zum Andenken an den vorverstorbenen Bruder und Geschäftsteilnehmer David Fraenckel erbaute Jonas Fraenckel ein auf der Antonienstrasse gelegenes Gebäude, das als Fraenckel’sches Hospital durch Jahrzehnte armen Kranken Hilfe und Zuflucht gewährte und in einem besonders dazu bestimmten Teile dem israelitischen Waisenhause ein gesundes und wohnliches Heim bereitete. Mit den wachsenden Ansprüchen an derartige Anstalten war auch eine Neugestaltung des Kranken- und Waisenhauses nötig geworden. Als Vollstrecker seines letzten Willens, denen er testamentarisch ein Patronat über das Hospital übertragen hatte, haben wir das Bedürfnis nicht in Abrede stellen können und die Erlaubnis zum Verkauf des Gebäudes erteilt. In den neuerrichteten Gebäuden der Waisenanstalt und des herrlichen Krankenhauses wird sein Andenken durch monumentale Tafeln auch der Nachwelt erhalten. Von derselben pietätvollen Gesinnung, die er in seinem Leben bekundet, gibt auch sein Testament Zeugnis. Dieses Testament ist das Ergebnis eingehender Vorbereitung und Beratung gewesen, und es ist der Mühe wert, es in seiner Gesamtheit zu betrachten. Jonas Fraenckel war im Eingang der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts durch seine Glaubensgenossen in die oberste Leitung der Gemeindeverwaltung berufen. In dieselbe teilten sich mit ihm drei Männer, die Kaufleute Samuel Jacob Levy, Löbel Milch und Joseph Prinz, mit denen ihn innige Freundschaft verbunden hat. In Gemeinschaft mit ihnen hat er seine letztwilligen Verordnungen festgesetzt und sie zu Vollstreckern seines letzten Willens mit den denkbar weitesten Rechten ernannt. Mir ist aus mündlicher Überlieferung bekannt, dass es seine Absicht gewesen ist, die genannten drei Männer zu seinen Erben einzusetzen und ihnen die Errichtung der Stiftungen aufzutragen. Die Ausführung ist an dem festgehaltenen Widerspruch der drei Männer gescheitert, welche sich äuch dem unbegründeten Verdacht eigennütziger Interessen nicht aussetzen wollten. Hätten sie den Widerspruch fallen lassen, so wäre es ihnen erspart geblieben, in langen und aufregenden Prozessen die Rechtsgiltigkeit des Testaments gegen Seitenverwandte zu erstreiten, welche den Nachlass als Intestaterben für sich beanspruchten. Erst am 29. November 1858 ist das letzte