Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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12 ו: י: Geehrte Festversammlung! In diesem Saale wird die Zahl derer nicht gross sein, denen es gleich mir vergönnt gewesen ist, vor 50 Jahren der feierlichen Eröffnung des jüdisch-theologischen Seminars beizuwohnen. Wenn ich damals als junger, angehender Student die Festteilnehmer nur auf ihre Plätze geleiten durfte, so bin ich heute beauftragt, namens des Kuratoriums der Fraenckel’schen Stiftungen als dessen ältestes Mitglied diese hochansehnliche Versammlung ehrerbietigst zu begrüssen. Wir danken insbesondere für ihr Erscheinen den Vertretern des Magistrats und der jüdischen Gemeindebehörden und Korporationen unserer Vaterstadt, den Abgesandten der Königlich Württembergischen Oberkirchenbehörde und des Grossherzoglich Badischen Oberrats, den Vertretern der Gemeinde- und Rabbinerverbände, sowie der Schwesteranstalten und allen den Männern, die von der Nähe und aus der Ferne herbeigeeilt sind, um der alma mater an ihrem Jubeltage ihre Glückwünsche auszusprechen und ihr zu beweisen, dass Raum und Zeit die dankbare Gesinnung nicht ausgelöscht haben, die sie ihr für ihre Ausbildung bewahren. Fünfzig Jahre sind wie in dem Leben eines Menschen so auch in dem einer Anstalt ein bedeutungsvoller Abschnitt. Man wird mit Fug und Recht ein Urteil fällen können darüber, ob die Aufgaben, die der Anstalt gestellt waren, erfüllt, das Ziel, das ihr gesteckt, ganz oder teilweise erreicht, oder ob, wie so oft in unserem Erdendasein, Wollen und Können nicht gleichen Schritt gehalten haben. Dass ich — als Laie und Mitglied der Verwaltungsbehörde — mich nicht für berufen halte, ein sachliches und erschöpfendes Urteil abzugeben, werden Sie erklärlich finden. Für mich genügt es am heutigen Tage, auf die stattliche Zahl tüchtiger Männer hinzuweisen, die hier ihre Ausbildung genossen und jetzt im In- und Aüslande fast sämtliche in Betracht kommende Rabbinatssitze in Ehren und mit Auszeichnung bekleiden. Naturgemäss liegt mir und Ihnen die Frage nahe: Wie ist die Anstalt entstanden und wem verdanken wir sie? Achtundfünfzig Jahre deckt der Rasen den Mann, der durch sein Testament die Anordnung zu ihrer Errichtung gegeben hat. Die lange Zeit, die seitdem verflossen ist, macht es begreiflich, dass über den einzelnen Stiftungen, die seinen Namen verewigen, der Mann selbst in den Hintergrund getreten ist. Lassen Sie uns heut sein Andenken ehren, indem wir uns dessen erinnern, was er gewollt und gewirkt hat.