Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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9 Wir aber sagen, jenes Wunder Elisas kann sich täglich erneuern, jeder kann es an sich selbst erfahren. Wer in sich selbst gesegnet ist, der wird in dem Masse, wie er danach strebt, für andere ein Segen zu werden, einen stets sich erneuernden Reichtum in seinem Innern entdecken. Und wie nahe liegt die Anwendung gerade auf diejenigen, welche durch Verkündigung des Gotteswortes für andere ein Segen werden sollen. Hast du in dir etwas vom Öl der Thora, hast du geschöpft von jener Lichtquelle, der Quelle der Lehre, dann soll es dir an Licht- und Leuchtstoff nicht fehlen, du sollst selbst einem unversiegbaren Bronnen gleichen, und das Gotteswort aus deinem Munde soll gleichen dem Feuer und gleich dem Hammer, der die schlafenden Funken im Kiesel weckt, soll es die schlafenden Gottesfunken im Herzen wecken. Hast du geschöpft von jener Quelle der Begeisterung, dann ziehe nur mutig in den Streit für die Wahrheit, feige Furcht wird dir nicht nahen. ״ חגור חרבך על ירך גבור הודך והדרךGürt’ dein Schwert um, deinen Schmuck und deine Zier.“ והדרך צלח רכב על דבר אמת ״ וענוה צדקFahre nur einher für die Sache der Wahrheit und des gebeugten Rechtes.“ ״ ותורך נוראות ימינךWundertaten verrichtet dein Arm (Ps. 45, 4. 5).״ Bist du in dir selbst gesegnet, dann, gleichviel ob •du auch jung an Jahren bist, du wirst ein Segen werden, es wird von dir heissen: באשר ימצא התירוש באשכול ואמר ״ אל תשחיתהו בי ברכה בוes ist, wie wenn man den Most in der Traube findet und spricht, o verdirb sie nicht, denn Segen ist in ihr (Jes. 65, 8).“ Aber freilich, Erkenntnis allein reicht noch nicht hin, um ein Segen zu werden. Unsere Weisen sagen: אין הברכה מצויה לא בדב- השקול ולא בדבר המדוד ולא בדבר המנוי אלא בדבר הסמוי מן העין der Segen ruht nicht in dem, was gezählt, gemessen und gewogen werden kann, sondern nur in dem, was dem Auge verborgen ist (Baba m. 42a). Der Segen, wollen sie sagen, ruht nicht in den materiellen Gütern, wie die meisten glauben, nicht in dem, was mit den Händen zu fassen und zu greifen ist, sondern im Geistigen, gerade in dem, was dem Auge verborgen ist, der wahre Segen steigt aus tiefen verborgenen Quellen auf. Nun, wir fügen hinzu, man kann auch nicht ein Segen werden, wenn man nur glaubt an das, was mit Händen zu fassen und zu greifen ist, wenn man nicht glaubt an die ewige Macht der Ideale, an den unausbleiblichen Sieg des Guten und Wahren, man kann nicht ein Segen werden, wenn man wie ein Wurm am Boden kriecht und nicht den Mut hat, den Flug aufwärts zu nehmen zum Licht. Lebt aber in dir etwas vom Geiste der Propheten, hat ein Strahl ven ihnen