Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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— ס — unsere Zeit herabführen? Diese Frage wollen wir beantworten an der Hand der bereits erwähnten Verheissung: ״Und ich will deinen Ruf gross machen und du sollst ein Segen werden/‘ I. Meine Andächtigen! Wie sollte Abraham seinen Ruf verbreiten? Nun, nach den Worten unseres Textes ist es bezeichnender Weise die Aufgabe Abrahams lediglich, ein Segen zu werden, das andere, die Achtung und Anerkennung der Welt zu gewinnen, das ist nicht mehr Sache Abrahams, sondern Sache Gottes, das nimmt Gott auf sich. Abraham geht seinen Weg für sich, unbekümmert um die Meinung der Welt, ja er schlägt eine Richtung ein, die keineswegs geeignet war, ihm für den Anfang den Beifall der Menschen zu erwerben. Was war das für eine Richtung? Ein Weiser erzählt, eines Tages war ich besonders betroffen durch die Antwort eines Kindes. Ich befand mich auf der Reise und als ich in der Nähe einer Stadt einen Feldweg einschlug, fragte mich plötzlich ein Kind, wer hat dir gestattet, diesen Weg zu betreten? Auf die Bemerkung, dass es doch ein breitgetretener Weg sei 5דרך כבושד« ד!יא erfolgte die Antwort, ja, Gewaltmenschen gleich dir, haben den ־Weg geebnet (Erubin 53 b). Was war es, meine Andächtigen, das den Weisen an der Antwort des Kindes so sehr überraschte? Es war keineswegs, dass er aus derselben eine ganz neue Wahrheit heraushörte, vielmehr war er betroffen, weil er an eine Wahrheit erinnert wurde, die wir alle kennen und doch immer wieder vergessen. Wir gehen alle in der Regel einen Weg, den andere vor uns gegangen sind, ohne uns zu fragen, ob es auch der richtige ist und wer ihn geebnet hat. Und das gerade ist es, was den Weg Abrahams schon äusserlich kennzeichnet. Er verlässt seine Heimat und sein Vaterhaus, er tritt ganz heraus aus dem gewohnten Geieise. מי הפיר ממזרח צדק יקראהו לרגלו ״Wer erweckte vom Osten den Mann, dem Gerechtigkeit auf dem Fusse folgte (Jesaia 41, 2)?“ Frei setzt Abraham seinen Fuss auf unbetretene Bahnen, sicher zieht er seine Lichtstrasse, einen Pfad, den kein Wanderer vor ihm betrat“ יפבור שלום ארח ברגליו לא יבוא. Es ist der Weg, den auch seine Nachkommen nach ihm gehen sollten, dSnn von Abraham heisst es in unserem Wochenabschnitte: ״Ich habe ihn ausersehen, damit er seinen Nachkommen und seinem Hause nach sich gebiete, dass sie wandern den Weg Gottes דרך ד." Das ist es, was den Weg Israels durch die Geschichte so eigentümlich gestaltete und vom Wege der Völker unterschied, die, wenn noch so sehr unter sich verschieden, das Eine