Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4 יי Ein edler Eifer für die Erhaltung des Judentums, tief wurzelnde Pietät für die Überlieferung der Vorfahren, verbunden mit dem Verständnis für die Bedürfnisse der Neuzeit, legten den Grund zu diesem Hause; klare Einsicht in das Wesen des Judentums und seinen Entwicklungsgang, ein weit ausschauender, umfassender Blick und ein unerschütterlicher Glaube an die Zukunft des Judentums vollendeten den Plan, und die Gnade Gottes liess die Ausführung des Werkes gelingen. Es erfüllte sich an dieser Anstalt die jüngst vernommene Verheissung Gottes an Abraham: ״ ואגדלה שמך והיה ברכהUnd ich will deinen Ruf gross machen und du sollst ein Segen werden (Gen. 12, 2).a Die Anstalt erwarb sich einen achtunggebietenden Ruf, andere Pflanzstätten der Wissenschaft des Judentums mit gleichen Zielen sind entstanden, denen sie als Vorbild diente, und sie wurde zu einem Segen. Viele Rabbiner sind aus diesen Mauern hervorgegangen, die in zahlreichen und grossen Gemeinden eine segensreiche Wirksamkeit entfalten, die den Gemeinsinn, das religiöse Bewusstsein wieder weckten und dem um sich greifenden Verfall steuerten. Fünfzig Jahre, meine Andächtigen, sind dahingegangen, und so manchem drängt sich wohl die Frage auf die Lippen: ״ מי בכם הנשאר אשר ראה את הבית הזה בכבודו הראשוןwer ist noch von denen übrig, die dieses Haus gesehen in den Tagen seines ersten Glanzes, in den Tagen seiner Entstehung (Chaggai2,3)?w Fünfzig Jahre sind dahin gegangen, und indem wir am Ende dieses bedeutsamen Zeitabschnittes auf den Anfang zurückblicken, kommt uns von selbst der vieldeutige Ausspruch jenes Weisen in den Sinn, welcher sagte: Die Menschen scheitern daran, dass sie es nicht verstehen, das Ende an den Anfang zu knüpfen, was wohl auf den ersten Blick zu besagen scheint, dass dem Tun und Denken derselben die Folgerichtigkeit, die strenge Konsequenz fehle, woher es denn auch tatsächlich kommt, dass den meisten ihr eigenes Lebenswerk, wenn sie auf dasselbe zurückblicken, als etwas Fremdes und Rätselhaftes erscheint, in welchem sie sich selbst nicht wieder zu erkennen vermögen. Aber gerade das, was nach jenem Ausspruche zumeist vermisst wird, gerade das ist es ja, was wir bei jeder rückwärts gewendeten Betrachtung suchen, wir suchen den Faden, welcher Anfang und Ende verknüpft, wir suchen uns zum Anfang zurückzufinden. So drängt sich auch uns unwillkürlich die Frage auf, welches sind die theoretischen und praktischen Grundsätze, an denen diese Anstalt bei allem Wechsel der Personen und Zeiten unentwegt festhielt und die sozusagen vom Anfang bis auf