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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1904-01-01 · 1904 · page 22

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721009--21-2725140
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21 blieben, beweist ein flüchtiger Blick auf die Art, wie die jüdische» Feste noch jetzt begangen werden. Das jüdische Fest ist nicht etwa der Trunkenheit, der Lust und den mannigfachen Zerstreuungen des Lebens, sondern der Ruhe, der Sammlung, der Andacht, der Familie, der Freundschaft gewidmet, es ist ein Tag der Weibe, die wahre Freude und Wonne nicht nur nicht ausschliesst, sondern geradezu bedingt. Man schenkte nun den vierten Becher ein, um dabei den Gesang der Hallelpsalmen fortzusetzen1); in den letzten Jahrhunderten füllte man gar einen grossen Becher für den zu erwartenden Vorboten des Messias, den Propheten Elijahu, so er etwa durch die für ihn geöffnete Thür käme. Die Sitte, am Pesachabend als Zeichen von Vertrauen die Thür nicht zu verschliessen, kennt bereits im elften Jahrhundert R. Nissin Gaon in Kairuan. Die Art, wie Hallei rezitiert wurde, war nach Zeit und Raum verschieden; in der talmudischen Zeit scheinen die Zuhörer bei jedem Halbverse bis zum 117. Psalm mit Halleluja geantwortet zu haben; beim ersten Verse, oder besser bei den ersten vier Versen des 118. Psalms, der, streng genommen, nicht sowohl zum Hallet, als zur הודאה gehört, antworteten sie mit: ״Danket dem Herrn, dass er gütig ist, dass ewig währet seine Gnade.“ Die Vers 25, wie es scheint, nur einmal gesprochene Bitte: ״O Herr gewähre Hilfe, o Herr gewähre Glück“, wurde von ihnen wiederholt, von da ab bis zum letzten Vers 29 wurden die Verse in Stiche geteilt und diese Stiche vom Vorsänger und den Tischgenossen wechselweise gesprochen. ״Gesegnet sei der Kommende“, sprach z. B. der Vorsänger, ״im Namen Gottes“ antworteten die Anwesenden, und der letzte Vers, die Wiederholung des ersten, wurde vielleicht von ihnen gemeinschaftlich gesprochen oder vom Vorbeter zuerst und von den Anwesenden nachher wiederholt. Nach dem Halle! wurde die darauf sich beziehende Eulogie gesprochen, in der Mischna ברבת ״ השירder Segensspruch für den Gesang“ genannt; hierunter verstand ein Talmudlehrer das Gebet ♦ ♦ ♦ יהללוך, womit wir sonst jetzt das Hallel zu beenden pflegen, ein anderer Lehrer aber das ihm inhaltlich gleiche Gebet ♦ ♦ ♦ נשמת, womit wir an Sabbaten und Festtagen die Gesänge im Frühmorgengebet schliesseh; jedoch scheint das talmudische נשמת, seinem Charakter als. ברכת השיר gemäss, kürzer ^gewesen zu seih und nur die ersten drei *) Anstatt der wohl zu begreifenden, mit שפך beginnenden Zusammen- Stellung biblischer Verse vor dem Hallelpsalm: ״Nicht uns, Ewiger, nicht uns, sondern Deinem Namen gieb Ehre, um Deiner Gnade, um Deiner Treue willen. Warum sollen die Völker sprechen: ״Wo ist ihr Gott?“ pflege ich zu lesen: Jes. 2, 1-4.

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