Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2721009--20-2725139- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20 giöse Weihe hingoss. Wie die an sich toten Buchstaben durch den darüber sinnenden Geist lebendig werden, so erhalten auch die ah sich toten Symbole durch das dabei fühlende Herz Leben und Bedeutung. Um der frommen Frauen willen, sagt der Talmud, wurde Israel aus Ägypten erlöst und wir, die Enkel, können dies nach fünfzehn Jahrhunderten nur bestätigen. Das von der Frau geleitete jüdische Haus bildete in den Tagen der Not die feste Burg, in die kein Fremder einzudringen vermochte, hier herrschte Keuschheit, Sittsamkeit, Zartheit, Innigkeit und Frömmigkeit, und was die Mutter gesprochen, erschien dem Manne bedeutsam, dem Sohne heilig. In der jüdischen Familie wurde Pietät gegen die Eltern und die Religion in gleicher Weise gewahrt, das Haus selbst glich einem Heiligtume, und der Schwerpunkt der Religion wurde, nicht nach der Synagoge verlegt. Der Festgottesdienst, wie er am Pesachabend an der Familientafel abgehalten wurde, war heiter und innig, erhebend und heilig, und gottesdienstlich war hierbei wie Haggada und Hallel so auch Speise und Trank, Scherz und Gesang. Nach Beendigung des Mahles pflegte, wie bereits erwähnt, ein Tischgelage zu folgen, und bei dem ersten Becher, der in Griechenland unter Begleitung von Gesang zum Trankopfer diente, wurde bei den Juden das Tischgebet gesprochen. Dieses Gebet bestand ursprünglich aus drei Benediktionen bis לבונה ירושלים worauf schon das darauffolgende abschliessende אמן hin weist; wenn Gäste eingeladen waren, welche Einladung pöt genannt wurde, oder auch überhaupt wenn drei Personen beisammen waren, ging dem Tischgebet noch eine Aufforderung an die Genossen voran, dem Spender der Speisen zu danken. In spätererer Zeit wurde noch eine einst kurz gefasste Benediktion: ״Gepriesen seiest Du .... der Allgütige״ hinzugefügt, welcher Dank־ spruch auch sonst bei freudigen Ereignissen, oder selbst nur beim Vorsetzen anderer Weine gesprochen wrurde, und dürfte vielleicht dieser hinzugekommene Segensspruch ursprünglich auf den nach dem Mahle gereichten Wein sich bezogen haben. Andere mit הרחמן beginnende Zusätze zum , Tischgebet stammen, wenn wir etwa von Einem absehen, aus nachtalmudischer Zeit. Nach dem Tischgebete wTurde sonst dem Weine nach Belieben zugesprochen, aber für den Pesachabend wurde verordnet, nach dem dritten Becher, also dem Kelche zum Tischgebet, keinen Wein weiter zu trinken, bis der Hallel-Gesang beendet ist. Man mochte wohl hier, wie beim Verbote des לאפיקומן die Besorgnis gehegt haben, dass das erhebende Fest leicht in Sinnenrausch entarten könne, und so suchte man es hierdurch zu verhüten.. Dass solche Verordnungen nicht unbeachtet