Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2721009--18-2725137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 somit nach der Ansicht der Schule Hülels jetzt die zwei ersten Hallel-Psalmen; im Sinne der Schule Schamais aber sollte jetzt nur der erste Psalm gelesen werden, indes der darauffolgende auf den Auszug aus Ägypten sich beziehende erst nach Mitternacht gesungen werden sollte zur Zeit, als einst in der Pesach-Nacht jenes letzte, die Erlösung herbeiführende Wunder in Ägypten bereits stattgefunden hat. Man pflegte nämlich am Pesach-Abend lange aufzubleiben, einzelne durchwachten sogar die ganze Nacht. Jedenfalls reihet sich an den zweiten also beginnenden Psalm: ״Als Israel aus Ägypten zog, das Haus Jaakobs von dem Volke fremder Zunge, da ward Jehuda sein Heiligtum, Israel seine Herrschaft“ der Segensspruch für die einstige Erlösung Israels aus Ägypten passend an, und dieser Segensspruch erhielt nach der Zerstörung des Tempels einen von R. Akiba herrührenden Hinweis auf die künftige, messianische Erlösung, die er während des Bar Kochba-Krieges als nahe bevorstehend erwartete. Durch Psalm- und Segensspruch erhielt die Haggada einen geeigneten, poetisch erhebenden Abschluss, und man trank jetzt den zweiten Becher, den Kelch für die Erlösung. Nun schritt man zur Mahlzeit und ass zuletzt vorschriftsmässig das Passahlamm, ungesäuertes Brot und Bitterkraut, jedes für sich, oder, wie Hille! getan, alles zusammen. In späterer Zeit, wie es auch bei uns üblich, begann man das Mahl mit der Mazza und dem Bitterkraut; um aber auch der älteren Bestimmung zu genügen, ass man noch zuletzt etwas Mazza, ungenau אפיקומן genannt. An eine grössere Mahlzeit pflegte man nämlich griechischer Sitte gemäss einen Nachtisch, bestehend aus verschiedenen Früchten und Näschereien, und ein Tischgelage anzuschliessen, wobei junge Leute öfter unter Begleitung von Spiel und Tanz einen jubelnden Umzug auf der Strasse hielten; ein solcher woh! gewöhnlich in Rausch und Trunkenheit ausartender und darum in sittlicher Beziehung missliebiger Umzug wurde griechisch •/.üijio; genannt, der daran sich Beteiligende £»*«}110?, ktz«»(!®:, wovon dann das Wort אפיקומן zur Bezeichnung des Nachtisches und des Umzu£es selbst gebildet wurde. Für den Pesachabend, an dem eine günstige Gelegenheit für ein solches אפיקומן sich darbot, verbietet .nun die Halacha mit den besonders wohl an die Jugend gerichteten Worten: אץ מפטידין אחר הפסח אפיקומן, auf das mit dem Genüsse vom Passahlamm geschlossene Mahl ׳ zuletzt noch ein אפיקומן folgen zu lassen, und dieses Wort אפיקומן wurde in nachtalmudischer Zeit ungenau auf die zuletzt zu geniessende Mazza übertragen. Dass wir aber, jetzt von den drei aufgetragenen Mazzot die mittlere zerbrechen, und die Hälfte davon zum אפיקימן